Geliebtes Chaos

Ich sag es gleich zu Beginn und frei raus; ich mag diese ordnungsfanatischen, andere auf deren Ordnung beschränkende Menschen nicht. Falls Sie glauben so jemanden gibt es gar nicht. Ich hab im allernächsten Bekanntenkreis gleich zwei Exemplare davon. Ohne fies klingen zu wollen, ist das Ordnung halten in diesen Fällen auch eines der Hauptfähigkeiten, weswegen es eventuell auch so hochgelobt wird. Schade ist nur, dass tatsächlich das Phänomen Auftritt anderer Leute Ordnung, also natürlich nur die von anderen Frauen, auch wenn sie sich den Haushalt mit einem Mann teilen, zu beurteilen und zu bewerten und daraus dann tatsächlich deren Qualitäten als Hausfrau abzuleiten.
Sie finden das immer noch unfassbar? Das gibt’s doch gar nicht?
Doch doch, das ist keine Geschichte von vor 50 Jahren, oder von vor 100 Jahren, oder aus einem anderen Land, zum Beispiel der Türkei oder so. Nein, nein. Leider nicht.
Nun ja, was soll ich sagen; ich bin froh, dass ich das Chaos aushalten kann, dass ich meine Weiblichkeit nicht über Sauberkeit im Haushalt definiere (oh Gott klingt das krank!), dass ich meine Kinder (Mädchen!) so spielen lassen kann, dass sie danach so dreckig und staubig und sandig und matschig sind, dass nur eine Badewanne hilft, dass ich nicht ständig hinter den Kindern her räume, denn ich bin überzeugt, das Kinder Chaos brauchen, es ist kreativ, es lässt Dinge entstehen, man kann etwas erschaffen. In der Ordnung kann man Dinge nur nachahmen und niemals kreieren.

In diesem Sinne eine kleine Draufsicht unseres morgendlichen Frühstückstisches.
Ich liebe es.