Verweile doch, du bist so schön

Wir haben in unserem Garten einen Schmetterlingsflieder. Das war am Anfang eine wirklich kleine Pflanze, die in so einen normal großen Topf saß. Dann kam er in den Garten, ohne dass wir wussten wo man so einen Flieder am besten hinpflanzt. Seit einem Jahr gibt der Schmetterlingsflieder als solches Vollgas. Gestern waren dort so viele Schmetterlinge, dass ich mit den Kindern mehrere lange Momente davor stehen und staunen konnte.

Das passte und passt wunderbar zu meinem neuen Credo, dem leben im Moment, wohl wissend, dass sich dieser nicht festhalten lässt. Dabei ist genauso wichtig wie das Sein im Moment das gleichzeitige Loslassen der Gedanken an Vergangenheit und Zukunft. Denn tatsächlich absorbiert das Beschäftigen mit Dingen aus Vergangenheit oder Zukunft sehr viel Energie. Oftmals ist das gar nicht so positiv. Ich nenne nur mal einige Adjektive die damit verbunden sind; grübeln, nachtragen, bereuen, ängstlich, ungewiss, unmöglich, schwierig,…und so weiter und so fort.
Das ist total anstrengend. In der Tat fallen mir keine Wörter außer Vorfreude und Dankbarkeit ein, die im Zusammenhang mit der Zukunft oder der Vergangenheit positiv belegt wären. Egal wie rum man es dreht, es macht schlichtweg keinen Sinn, sich NICHT der Gegenwart vollumfänglich hinzugeben. Im Englischen nennt man die Gegenwart ja „present“ und witzigerweise bedeutet „present“ auch Geschenk. Ich kenn mich mit Stammesgeschichten von Wörtern nicht aus. Aber das ist doch einfach zu wundervoll um Zufall zu sein.
Jedenfalls gelingt der Alltag mit Kindern sehr viel besser und entspannter, wenn man sich diesem Credo verschreibt. Es ist absolut tödlich Zeit mit Kindern zu verbringen und dabei beispielsweise die ganze Zeit daran zu denken, was man noch zu erledigen hat oder was man um Himmels Willen in diesem Moment eigentlich sehr viel nützlicheres tun könnte. Das führt zu einer inneren Anspannung und Nervosität, die dann, egal ob es mit den Kindern gut läuft oder nicht, in einem Konflikt endet. Man ist genervt. Dafür können die Kinder gar nichts, der Konflikt entspringt ja dem eigenen inneren Konflikt nicht im hier und jetzt sein zu wollen. Und ich sag hier bewusst wollen, weil diesem Verhalten eine Entscheidung voraus geht, die man treffen muss.
Seitdem ich diese Entscheidung FÜR die Gegenwart getroffen habe, hab ich viel weniger Konflikte mit meinen Kindern. Oder besser gesagt meine Kinder mit mir….Ich akzeptiere, dass es jetzt so ist wie es ist und ich jetzt nichts anderes machen und anfangen brauche. Ich nehme mir auch nicht vor bis zum Zeitpunkt x geputzt, gesaugt, aufgeräumt, eingekauft oder oder haben zu wollen. Ich bin einfach nur im Moment. Und dann geschieht etwas Phänomenales, man gelangt in eine Art kindlichen Flow, kindlichen Flow, so wie früher. War es doch vorher so, dass sich 20 Minuten teilweise wie 2 Stunden anfühlten, kann sich dieses Verhältnis nun gut und gerne mal umdrehen. Das liegt auch daran, dass man durch die gewonnene Zeit, die man sonst mit Gedanken an vorher oder nachher verbracht hat, plötzlich auf das Beobachten und Erforschen der Persönlichkeiten der Kinder fokussieren kann. Und das ist sehr spannend. Dem liegt eine Fragestellung der Richtung „Wer seid ihr eigentlich und wie tickt ihr so?“ zugrunde.
Und dieser Perspektivwechsel führt zu einem Rollenwechsel, weg vom Erzieher und Aufpasser, hin zum Beobachter und Lenker. Eine ganze Kaskade von Kettenreaktion hat mein neues Credo mir nur binnen einer Woche eingebracht. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

In diesem Sinne, verweile doch, lieber Sommer, lieber Moment, lieber Schmetterling und lieber Flieder, du bist so schön.

Arschloch – Kinder

Es tut mir wirklich leid, aber ich habe schlichtweg keine nettere Überschrift für diesen Beitrag gefunden. Die soll ja auch passen, die Überschrift. Und mein Credo ist es überhaupt hier einen authentischen Abriss meines Lebens mit Mann und Kindern und Hund am Meer zu geben. Also; ab dafür!

Es gibt sie nämlich wirklich, die Arschloch – Kinder. Ich hatte schon länger den Verdacht eines zu kennen, aber gestern hat es sich endgültig bestätigt. Mit dem Jadekind besuchen wir seit circa einem Jahr einen Turnkurs, der zeichnet sich nicht nur durch eine extrem nette und kompetente Kursleitung aus, sondern auch durch einen sehr großen Anteil wirklich sympathischer Eltern (Mütter), mit denen man tatsächlich gerne plauscht und sich freut sie zu sehen. Mit eben diesem Großteil der Eltern hat der Edelsteinpapa seinerzeit bereits einen Pekipkurs besucht (ich habe da voll gearbeitet und mein Mann war 8 Monate zu Hause – ein durchaus gelungener Rollentausch war das!), das bedeutet, die Kindern kennen sich schon sehr lange und alles verläuft dem ALter entsprechend harmonisch. Das liegt auch durchaus daran, dass jeder sein Kind wirklich angemessen und umgehend maßregelt, wenn es (in dem Alter ja völlig normale) Ansätze von nicht angemessenen Besitzansprüchen hegt. Heißt nichts anderes als, wer anderen zum Beispiel einfach einen Ball wegzockt, der wird zur Rede gestellt und hat das Diebesgut unverzüglich wieder auszuhändigen. Ebenso wird bei den verschiedenen Aufbauten, wie Rollrutsche, Krabbeltunnel und Hüpfematte darauf geachtet, dass man Rücksicht nimmt, wartet bis man dran ist und sich nicht einfach vordrängelt. Das klingt für Sie selbstversändlich? Schade, dass mein höhnisches Lachen nicht zu hören ist. Es ist nicht selbstverständlich. Leider. Wir haben, bevor wir das Glück hatten auf diese Krabbelgruppe zu stoßen, schon einige andere ausprobiert. In der Regel liefen diese Eltern-Kind-Turnveranstaltungen so ab, dass man ca 40-50 Kinder (kein Witz!!!!) in eine mit sämtlichen Turnutensilien überfrachtete Halle steckte und dann hoffte, dass es nur auf einige Platzwunden herauslaufen möge. Dabei lehnen sich die meisten Eltern entspannt zurück und das Kind mit der besten Ellbogenmentalität und der unverschämtesten Herangehensweise, welches nicht vor körperlicher Gewalt zurückschreckt, dieses Kind, das hat Spaß. Alle anderen nicht so sehr. Wenn man lange genug dort hingeht, bekommt man so ein Kind. Da ich erstens ein schüchternes Kind habe, dem die gerade genannten Eigenschaften geradezu widerstreben und ich zweitens diese Form von Erziehung absolut zum Kotzen finde (Hallo, schöne neue Welt – so wollen wir leben?), waren diese Turnstunden nichts für uns und die Krabbelgruppe die wir jetzt besuchen war und ist ein echter Segen.

Dennoch hat sich auch in diese von Harmonie und Wohlerziehung geprägte Gruppe ein Arschlochkind eingeschlichen. Und das wäre ja noch nicht so schlimm, wenn dieses Kind nicht in Begleitung seiner Arschlochmutter käme, die den Gemeinheiten ihres Kindes milde lächelnd zuschaut und NICHTS unternimmt. Nun ist nicht nur mein Jadekind Zielscheibe des Arschlochs, sondern auch so gut wie alle anderen Kinder. Eigentlich kamen die Boshaftigkeiten immer recht wohl dosiert, so dass es zu viel war um es zu übersehen, aber auch zu wenig, um wirklich ein Fass aufzumachen. Aber gestern schlug es eben diesem Fass den Boden aus.

Das Jademädchen fröhlich vergnügt schaukelnd – kommt das Arschlochkind vorbei, guckt diebisch-dämlich und haut ihr volle Lotte auf den Rücken. Das Jadekind hat es in ihrer Freude gar nicht wirklich gemerkt. Das war dem Arschlochkind  natürlich zu wenig, deshalb schlug es nochmal zu. Neben sich, seine milde lächelnde Mutter. Ich also “ Elina (Name von der Redaktion NICHT geändert!), lass das bitte!“. Arschlochkind guckt verdutzt, ist eben solche Ansprachen nicht gewöhnt. Die Mutter macht gepflegt nichts. Danach kamen noch diverse Nickeligkeiten (nicht nur uns gegenüber), wie Ball abzocken (Mutter lächelt milde), von der Rutsche schubsen (Mutter lächelt milde), sich unzählige Male vordrängeln (Mutter lächelt milde, guckt wahlweise weg) und der Gipfel war, als sie den schwächsten Jungen der Gruppe, der Brillenträger ist, brutal (ja, wirklich!) gegen die Heizung stieß und ihm sofort im Anschluss die Brille von der Nase zog. Seine Mutter schrie laut „Nein! Das macht man nicht!“. Ihre Mutter, ja sie ahnen es, lächelte milde.  Was für zwei Arschlöcher.

Auf dem Nachhauseweg war ich enttäuscht von mir selbst. Das hätte ich besser machen sollen und müssen. Mich überfielen Fantasien, in denen ich das Jadekind auffordern würde zurück zu schlagen bei der nächsten Attacke. Nicht so sehr, weil ich  das mal sehen will, sondern weil ich die (mit Sicherheit und unter Garantie!) höchst empörte Reaktion der Arschlochmutter genießen würde um dann den Hinweis zu geben, dass sie Gewalt ihres Kindes doch auch toleriere  und wo jetzt das Problem sei. Aber Nummer eins, ist das auch irgendwie unverhältnismäßig und Nummer zwei müsste ich da mit dem Jadekind nochmal den Uppercut üben, das liegt ihr nämlich wie gesagt überhaupt nicht.

Also hab ich mich für Variante Nummer zwei entschieden. Bei der nächsten Gelegenheit (und die wird sehr schnell kommen), spreche ich die Mutter direkt an und zwar a lá „Findest du das eigentlich in Ordnung wie sich Elina verhält?“, dann warte ich die entsprechende Reaktion ab und lasse dem Gespräch seinen Lauf. Das regt mich jetzt schon auf das Gespräch, aber es nützt auch nichts, die beiden sollen in die mit 50 Kindern besetzten großen Turnhallen und sich dort (Achtung Wortspiel) durchschlagen.

Was für zwei Arschlöcher.