Oh mein schönes Schaukelpferd

Ich habe beim Stöbern im Netz eine wundervolle Idee entdeckt. Genauer gesagt fand ich bei Lillesol und Pelle  (http://lillesolundpelle.com) eine ganz entzückende Anleitung für eine Pferdschaukel. Da ich auch zwei kleine Mädchen habe, bestand kein Zweifel: das  Teil brauchen wir!

Es war wirklich überhaupt nicht schwer herzustellen, die Anleitung ist perfekt und gut verständlich. Seit dem ist „Stella“,  benannt nach dem Lieblingspony aus dem örtlichen Reitstall, der Hit in unserem Garten. Sowohl bei unseren Mädels, als auch bei allen (auch männlichen) Besuchskindern.

Ich kann den Nachbau nur uneingeschränkt empfehlen, es lohnt sich! Das Tutorial findet ihr hier:

http://lillesolundpelle.com/tutorial-fuer-eine-pferdeschaukel/

 

Geliebtes Chaos

Ich sag es gleich zu Beginn und frei raus; ich mag diese ordnungsfanatischen, andere auf deren Ordnung beschränkende Menschen nicht. Falls Sie glauben so jemanden gibt es gar nicht. Ich hab im allernächsten Bekanntenkreis gleich zwei Exemplare davon. Ohne fies klingen zu wollen, ist das Ordnung halten in diesen Fällen auch eines der Hauptfähigkeiten, weswegen es eventuell auch so hochgelobt wird. Schade ist nur, dass tatsächlich das Phänomen Auftritt anderer Leute Ordnung, also natürlich nur die von anderen Frauen, auch wenn sie sich den Haushalt mit einem Mann teilen, zu beurteilen und zu bewerten und daraus dann tatsächlich deren Qualitäten als Hausfrau abzuleiten.
Sie finden das immer noch unfassbar? Das gibt’s doch gar nicht?
Doch doch, das ist keine Geschichte von vor 50 Jahren, oder von vor 100 Jahren, oder aus einem anderen Land, zum Beispiel der Türkei oder so. Nein, nein. Leider nicht.
Nun ja, was soll ich sagen; ich bin froh, dass ich das Chaos aushalten kann, dass ich meine Weiblichkeit nicht über Sauberkeit im Haushalt definiere (oh Gott klingt das krank!), dass ich meine Kinder (Mädchen!) so spielen lassen kann, dass sie danach so dreckig und staubig und sandig und matschig sind, dass nur eine Badewanne hilft, dass ich nicht ständig hinter den Kindern her räume, denn ich bin überzeugt, das Kinder Chaos brauchen, es ist kreativ, es lässt Dinge entstehen, man kann etwas erschaffen. In der Ordnung kann man Dinge nur nachahmen und niemals kreieren.

In diesem Sinne eine kleine Draufsicht unseres morgendlichen Frühstückstisches.
Ich liebe es.

Verweile doch, du bist so schön

Wir haben in unserem Garten einen Schmetterlingsflieder. Das war am Anfang eine wirklich kleine Pflanze, die in so einen normal großen Topf saß. Dann kam er in den Garten, ohne dass wir wussten wo man so einen Flieder am besten hinpflanzt. Seit einem Jahr gibt der Schmetterlingsflieder als solches Vollgas. Gestern waren dort so viele Schmetterlinge, dass ich mit den Kindern mehrere lange Momente davor stehen und staunen konnte.

Das passte und passt wunderbar zu meinem neuen Credo, dem leben im Moment, wohl wissend, dass sich dieser nicht festhalten lässt. Dabei ist genauso wichtig wie das Sein im Moment das gleichzeitige Loslassen der Gedanken an Vergangenheit und Zukunft. Denn tatsächlich absorbiert das Beschäftigen mit Dingen aus Vergangenheit oder Zukunft sehr viel Energie. Oftmals ist das gar nicht so positiv. Ich nenne nur mal einige Adjektive die damit verbunden sind; grübeln, nachtragen, bereuen, ängstlich, ungewiss, unmöglich, schwierig,…und so weiter und so fort.
Das ist total anstrengend. In der Tat fallen mir keine Wörter außer Vorfreude und Dankbarkeit ein, die im Zusammenhang mit der Zukunft oder der Vergangenheit positiv belegt wären. Egal wie rum man es dreht, es macht schlichtweg keinen Sinn, sich NICHT der Gegenwart vollumfänglich hinzugeben. Im Englischen nennt man die Gegenwart ja „present“ und witzigerweise bedeutet „present“ auch Geschenk. Ich kenn mich mit Stammesgeschichten von Wörtern nicht aus. Aber das ist doch einfach zu wundervoll um Zufall zu sein.
Jedenfalls gelingt der Alltag mit Kindern sehr viel besser und entspannter, wenn man sich diesem Credo verschreibt. Es ist absolut tödlich Zeit mit Kindern zu verbringen und dabei beispielsweise die ganze Zeit daran zu denken, was man noch zu erledigen hat oder was man um Himmels Willen in diesem Moment eigentlich sehr viel nützlicheres tun könnte. Das führt zu einer inneren Anspannung und Nervosität, die dann, egal ob es mit den Kindern gut läuft oder nicht, in einem Konflikt endet. Man ist genervt. Dafür können die Kinder gar nichts, der Konflikt entspringt ja dem eigenen inneren Konflikt nicht im hier und jetzt sein zu wollen. Und ich sag hier bewusst wollen, weil diesem Verhalten eine Entscheidung voraus geht, die man treffen muss.
Seitdem ich diese Entscheidung FÜR die Gegenwart getroffen habe, hab ich viel weniger Konflikte mit meinen Kindern. Oder besser gesagt meine Kinder mit mir….Ich akzeptiere, dass es jetzt so ist wie es ist und ich jetzt nichts anderes machen und anfangen brauche. Ich nehme mir auch nicht vor bis zum Zeitpunkt x geputzt, gesaugt, aufgeräumt, eingekauft oder oder haben zu wollen. Ich bin einfach nur im Moment. Und dann geschieht etwas Phänomenales, man gelangt in eine Art kindlichen Flow, kindlichen Flow, so wie früher. War es doch vorher so, dass sich 20 Minuten teilweise wie 2 Stunden anfühlten, kann sich dieses Verhältnis nun gut und gerne mal umdrehen. Das liegt auch daran, dass man durch die gewonnene Zeit, die man sonst mit Gedanken an vorher oder nachher verbracht hat, plötzlich auf das Beobachten und Erforschen der Persönlichkeiten der Kinder fokussieren kann. Und das ist sehr spannend. Dem liegt eine Fragestellung der Richtung „Wer seid ihr eigentlich und wie tickt ihr so?“ zugrunde.
Und dieser Perspektivwechsel führt zu einem Rollenwechsel, weg vom Erzieher und Aufpasser, hin zum Beobachter und Lenker. Eine ganze Kaskade von Kettenreaktion hat mein neues Credo mir nur binnen einer Woche eingebracht. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

In diesem Sinne, verweile doch, lieber Sommer, lieber Moment, lieber Schmetterling und lieber Flieder, du bist so schön.

Let them be little

Kind sein dürfen. Geliebt werden als Basisgefühl. Bedingungslos. Im Zorn und in der Freude. Akzeptieren und respektieren der noch so kleinen Persönlichkeit und dennoch Erziehen. Wobei auf das Ziehen verzichtet werden sollte. Erlenken vielleicht. Oder lieber Erfinden. Aber dann erfinden lassen. Im proaktiven Sinn. Wie auch immer. Nicht nur das gewünschte Verhalten unterstützen, sondern Stütze bleiben, auch wenn es ruckelig wird.

 

Diesen Absatz hab ich vor mehr als einem Jahr geschrieben und jetzt gerade wieder gefunden. Ich muss sagen, der ist gar nicht mal so schlecht. Tippen tue ich diese Zeilen nun gerade auf meinem neuen IPad Mini. Das hab ich mir tatsächlich hauptsächlich gekauft, um hier weiter bloggen zu können. Jaja, nun fühlen Sie sich mal nicht so geschmeichelt. Das mach ich nicht so sehr für Sie oder irgendwen, sondern für mich. Es soll mein kleines „Lebenstagesbuch mit meinen drei Kindern werden“. Drei?? Ja, richtig gehört. In diesem Beitrag hier  Wieviel Kinder hätten Sie denn gerne?  , hab ich noch thematisiert, ob und wann ein drittes Kind in Frage käme. Und dann haben wir uns entschlossen, im Oktober 2015, dass zu unserem Leben drei Kinder gehören. Das war eine sehr irrationale Entscheidung, das ist übrigens jede Entscheidung für ein Kind wenn man es genau nimmt. Jedenfalls war es eine reine, pure Herzensangelegenheit. Ziemlich schnell ging unser Wunsch dann in Erfüllung und ich wurde im November schwanger. Leider haben wir dieses Baby Neujahr verloren. Nach Schock und Trauer kam schon bald wieder Freude. Eben wie im echten Leben. Denn das verlorene Baby hatte sich in der kosmischen Warteschlange direkt wieder angestellt und gesellte sich bereits Anfang Februar wieder zu uns. Es hat so sollen sein. Es wäre unsere Chance für einen Rückzieher gewesen, aber es hat unseren Wunsch nur stärker werden lassen. Nun ja, das ist eigentlich eine Geschichte für sich. Jedenfalls bin ich nur schon im 8. Monat schwanger und im Oktober wird unser drittes Kind zur Welt kommen. Was für ein Geschenk.

Mit diesem IPad Mini und einer Bluetooth Tastatur, werde ich nun versuchen freie Minuten zwischendurch zum Schreiben zu nutzen. Denn es ist so sehr viel einfach als mit einem großen Laptop oder sogar unsrem PC im Obergeschoss. Da komm ich einfach nicht zu. Aber ich möchte schreiben. Meine Gedanken und Gefühle festhalten. All das Schöne, das Schwierige und auch das Traurige was zu einem Leben dazu gehört. Ich glaube das war und ist eine gute Investition.

In diesem Sinne; auf bald!

Herzzerreißend

Eigentlich war das heute irgendwie kein schöner Tag.  Der Mann und ich hatten miese Stimmung. So richtig weiß man nicht warum. Begonnen hat es damit, dass ich mich beleidigt gab, weil er mit seinem Bruder am Telefon einen derart sarkastischen Tonfall drauf hatte, das man nicht wusste, wo jetzt Spaß aufhört und Ernst anfängt. An allem was man sagt ist auch was dran.

Eigentlich kann ich da gut mit um. Eigentlich weiß er auch, dass das wenn es Außendarstellungen von uns betrifft, meine Humorsensitivität schnell überschreitet.  Aber eigentlich ist das Grundproblem ein anderes. Er arbeitet grade viel. Vor allem nachts. Dadurch arbeite ich auch mehr.  Denn der Mann entfällt für die Nachtschicht beim großen Kind, womit ich bei ungünstigen Nächten Doppelschichten schiebe, die an eine ganz schlechte Partie Pingpong erinnern. Ist die eine wach, wird es die andere auch. Schläft die eine dann endlich ein, weckt die andere sie wieder auf. Kapitulation meinerseits endete in der vergangenen Nacht um 4 Uhr und 38 Minuten in der Küche, Milch erwärmend und hundemüde. Saumüde.

Also zurück zum eigentlichen Problem. Wir haben beide Schlafentzug. Und das ist wirklich etwas das sehr wesensverändernd wirkt. Ist ja nicht umsonst Foltermethode. Da geht einem einiges auf den Schnürsenkel, was man ehemals noch amüsant fand. Mit Schlafentzug geht einiges Hand in Hand. Minuspunkte für die Gespräche zu zweit und Minuspunkte für die Libido zum Beispiel. Das hilft dem gegenseitigem Verständnis auch nicht unmittelbar auf die Sprünge.

Also jedenfalls war der Tag eigentlich für den Allerwertesten.

Der Mann und ich hatten uns zwar am Vormittag bereits ausgesprochen, aber wir können beide nicht von 0 auf 100 wieder honigkuchengrinsend sein.

Jedenfalls heute Abend passierte es. Am Abendbrottisch. Jadekind auf ihrem Stuhl. Bernsteinmädchen auf meinem Schoß.  Ersteres aß widerwillig ihr Brot, letzteres genussvoll ihre Reisflocken-Griespampe. Da begann das Jadekind zu blödeln, zeigte dem Schwesterchen den mit Brot vollgestopften Mund und tönte dabei laut „YAMYAMYAM“ -da gluckste das Baby schon. Als das Jadekind dann auch noch den Popo rhythmisch vom Stuhl hob und dabei Furzgeräusche produzierte, lachte das Baby lauthals.  Minutenlang wiederholte sich dieses Schauspiel.

Es war herzzerreißend.  Es war wunderschön. Die Magie des Kinderlachens ist wie Sternenstaub. Einzigartig und ewiglich.

Und dann der Blick über den Tisch zum Mann – da kann man am Vor -und nachmittag soviel reden wie man will, manchmal braucht es Momente.  Keine Worte.

Ich hab ihn eingefroren, diesen Moment. Er ist eines von vielen Mosaikstückchen meiner Seele. Ich hoffe es kommen noch viele dazu und ich bin dankbar für jedes einzelne Teil. Jeden Moment. Everything counts.

How to survive….

…kranke Kinder!

Ja, dazu braucht man echte Kämpfereigenschaften, eine weiche Schale und einen rauhen Kern sozusagen. Denn kranke Kinder (man beachte den Plural!) sind wirklich eine Herausforderung. Ich rechne damit, dass das Gesund-pflegen von kranken Kindern im eigenen Haushalt, genau wie das Anziehen mehrerer Kinder bei winterlichen Temperaturen (Stichwort: alternierendes Bilden von Zwiebelschichten), demnächst zum Ausbildungsberuf auserkoren wird.

Definitiv habe ich mittlerweile kostbare Skills in beiden Angelegenheiten erlangt – aber hier verrate ich jetzt erstmal das wesentlich in puncto Überlebenstricks bei kranken Kindern.

So vor zwei Wochen war es nämlich soweit, beide Mädels ziemlich krank, viralen Infekt mit Beteiligung der oberen Atemwege. Das bedeutet auf gut deutsch: verrotze Nasen, minütliches Niesen mit vielen Gelegenheiten zur Tröpcheninfektion, rauhe Stimmen bis zu Stimmversagen und vor allen Dingen Husten. Husten ist deshalb so nervig, weil er einen vom Schlafen abhält. Wenn man unter einem Jahr alt ist, so wie das Bernsteinmädchen, dann bekommt man nur homöopathischen Hustensaft verabreicht. Der wirkt so mäßig. Wenn man über zwei ist, bekommt man schon das bessere Zeug, wirkt aber auch nur so mäßig, wenn es einen richtig erwischt hat. Wenn man es als Kind dann endlich geschafft hat einzuschlafen, dann ist Husten immer noch nervig, nämlich für die Eltern, die dadurch via Babyphone geweckt werden oder noch besser; gar nicht erst einschlafen können. Tja also, da kommt man schon ziemlich zügig zum Hauptproblem bei kranken Kindern – alle haben akuten und massiven Schlafmangel. Das schlägt auf die Laune und auf die Konzentration. Bei mir führt das dazu, dass ich den O-Saft im Tassenregal abgestellt habe (ich nehme an der sollte ins Kühlmöbel) und bei den  Kindern führt das dazu, dass jeder Versuch zu spielen, in Frust endet, weil eben irgendwie nichts gelingt.

Die Legolok fährt schief und kippt ständig um, die Puzzleteile passen nicht mehr, Bücher tun in den Augen weh und alles nervt. Die nun folgenden Tipps beziehen sich auf das große Jadekind, das kleine Mädchen schläft dann entsprechend viel und wird ansonsten in der Bauchtrage von mir durch die Weltgeschichte buxiert, damit es zufrieden bleibt.

Hier also meine Tipps:

  1. Bei Krankheit alle pädagogischen Grundsätze über Bord werfen und Fernseh schauen uneingeschränkt zu lassen. Also natürlich läuft dann hier kindgerechtes Fernsehen und auch nichts von den dämlichen Serien, aber es läuft der Fernseher. Dazu bau ich eigens ein Krankenlager vorm TV auf, in dem ich unkompliziert und permanent pflegend einwirken kann. Anfänglich hatte ich tatsächliche Gewissensbisse, aber es geht einfach nichts anderes und außerdem habe ich beim genaueren Nachdenken festgestellt, dass ich damit nur guten Traditionen folge. Bei mir damals war es genau so. Ich hab trotzdem eine Hochschule besucht und nach gar nicht so langer Zeit mit einem Staatsexamen verlassen. Versaut einem also nicht postwendend alles, so ne TV-unterstütze Therapie.  Zwischendurch geht die Glotze natürlich mal aus. Dann gucken wir was die Konzentration macht und wagen ein Spielchen, das geht auch ne Weile gut. Ich lass zu diesen Zeiten die Große das Tempo bestimmen und schalte das erzieherische Moment dabei komplett aus. Das führt dazu, dass die Zeit auch für mich entspannter ist, wir gehen uns nicht wegen Kleinigkeiten auf den Sack. Harmonie hilft beim gesund werden ungemein. So die These.
  2. Ein Inhalationsgerät mit Kochsalzlösung. Kein Scheiß, das hilft wirklich ungemein. Hersteller egal, Hauptsache es wird der discotypische Nebel produziert und die Kinder atmen es ein. Dreimal fünf Minuten am Tag helfen enorm.
  3. Ein Hoch auf den Nurofensaft in Geschmacksrichtung Erdbeer. Der ist wirklich super. Wirkstoff Ibuprofen. Den kann man sich auch mal getrost selbst einverleiben. Da fühlt man sich tatsächlich schlagartig besser. Ich hab immer noch Angst, dass man eines Tages herausfindet, dass dort illegale Substanzen verwendet wurden und man das Zeug wieder vom Markt nimmt. Für diesen Fall hab ich mich bereits bevorratet, der komplette Apothekerschrank ist voll davon. Die stellen uns hier eher den Strom ab, als das der Nurofensaft ausgeht.
  4. Ein allerletzter antichristilich anmutender pädagogischer Superskill: Kinder essen wenn sie krank sind schlecht. Das ist auch erstmal nicht so schlimm, dass können die ganz gut wegstecken. Was doof und gefährlich werden kann ist zu weniges Trinken. Deshalb pimpe ich den Tee (Milch ist natürlich unangefochtenes Lieblingsgetränk, führt aber bei Husten nur zu noch mehr Husten) mit großen (wirklich großen!) Mengen an Zucker, wahlweise Traubenzucker. Das ist nicht gut für die Zähne, führt aber immerhin zu einer energiereichen Flüssigkeitszufuhr. Außerdem gibt es dann gerne ne Runde Speiseeis für alle. Tut bei Halsschmerzen gut, hebt die Laune und ist ja auch fast flüssig.

 

Zusammenfassend lade ich Sie ein, die Situation nun zu visualisieren. Da liegt also ein verrotztes, hustendes und fieberndes Kind auf einer Matratze vor dem TV. Um es herum wabern Nebelschwaden aus dem Inhaltionsgerät, es gibt stark zuckerhaltige Getränke und Eis. Außerdem (vermutlich illegale!) Medikamente.

Das sind doch mal bärenstarke Tipps. Wenn Sie mich nicht hätten….

 

 

Arschloch – Kinder

Es tut mir wirklich leid, aber ich habe schlichtweg keine nettere Überschrift für diesen Beitrag gefunden. Die soll ja auch passen, die Überschrift. Und mein Credo ist es überhaupt hier einen authentischen Abriss meines Lebens mit Mann und Kindern und Hund am Meer zu geben. Also; ab dafür!

Es gibt sie nämlich wirklich, die Arschloch – Kinder. Ich hatte schon länger den Verdacht eines zu kennen, aber gestern hat es sich endgültig bestätigt. Mit dem Jadekind besuchen wir seit circa einem Jahr einen Turnkurs, der zeichnet sich nicht nur durch eine extrem nette und kompetente Kursleitung aus, sondern auch durch einen sehr großen Anteil wirklich sympathischer Eltern (Mütter), mit denen man tatsächlich gerne plauscht und sich freut sie zu sehen. Mit eben diesem Großteil der Eltern hat der Edelsteinpapa seinerzeit bereits einen Pekipkurs besucht (ich habe da voll gearbeitet und mein Mann war 8 Monate zu Hause – ein durchaus gelungener Rollentausch war das!), das bedeutet, die Kindern kennen sich schon sehr lange und alles verläuft dem ALter entsprechend harmonisch. Das liegt auch durchaus daran, dass jeder sein Kind wirklich angemessen und umgehend maßregelt, wenn es (in dem Alter ja völlig normale) Ansätze von nicht angemessenen Besitzansprüchen hegt. Heißt nichts anderes als, wer anderen zum Beispiel einfach einen Ball wegzockt, der wird zur Rede gestellt und hat das Diebesgut unverzüglich wieder auszuhändigen. Ebenso wird bei den verschiedenen Aufbauten, wie Rollrutsche, Krabbeltunnel und Hüpfematte darauf geachtet, dass man Rücksicht nimmt, wartet bis man dran ist und sich nicht einfach vordrängelt. Das klingt für Sie selbstversändlich? Schade, dass mein höhnisches Lachen nicht zu hören ist. Es ist nicht selbstverständlich. Leider. Wir haben, bevor wir das Glück hatten auf diese Krabbelgruppe zu stoßen, schon einige andere ausprobiert. In der Regel liefen diese Eltern-Kind-Turnveranstaltungen so ab, dass man ca 40-50 Kinder (kein Witz!!!!) in eine mit sämtlichen Turnutensilien überfrachtete Halle steckte und dann hoffte, dass es nur auf einige Platzwunden herauslaufen möge. Dabei lehnen sich die meisten Eltern entspannt zurück und das Kind mit der besten Ellbogenmentalität und der unverschämtesten Herangehensweise, welches nicht vor körperlicher Gewalt zurückschreckt, dieses Kind, das hat Spaß. Alle anderen nicht so sehr. Wenn man lange genug dort hingeht, bekommt man so ein Kind. Da ich erstens ein schüchternes Kind habe, dem die gerade genannten Eigenschaften geradezu widerstreben und ich zweitens diese Form von Erziehung absolut zum Kotzen finde (Hallo, schöne neue Welt – so wollen wir leben?), waren diese Turnstunden nichts für uns und die Krabbelgruppe die wir jetzt besuchen war und ist ein echter Segen.

Dennoch hat sich auch in diese von Harmonie und Wohlerziehung geprägte Gruppe ein Arschlochkind eingeschlichen. Und das wäre ja noch nicht so schlimm, wenn dieses Kind nicht in Begleitung seiner Arschlochmutter käme, die den Gemeinheiten ihres Kindes milde lächelnd zuschaut und NICHTS unternimmt. Nun ist nicht nur mein Jadekind Zielscheibe des Arschlochs, sondern auch so gut wie alle anderen Kinder. Eigentlich kamen die Boshaftigkeiten immer recht wohl dosiert, so dass es zu viel war um es zu übersehen, aber auch zu wenig, um wirklich ein Fass aufzumachen. Aber gestern schlug es eben diesem Fass den Boden aus.

Das Jademädchen fröhlich vergnügt schaukelnd – kommt das Arschlochkind vorbei, guckt diebisch-dämlich und haut ihr volle Lotte auf den Rücken. Das Jadekind hat es in ihrer Freude gar nicht wirklich gemerkt. Das war dem Arschlochkind  natürlich zu wenig, deshalb schlug es nochmal zu. Neben sich, seine milde lächelnde Mutter. Ich also “ Elina (Name von der Redaktion NICHT geändert!), lass das bitte!“. Arschlochkind guckt verdutzt, ist eben solche Ansprachen nicht gewöhnt. Die Mutter macht gepflegt nichts. Danach kamen noch diverse Nickeligkeiten (nicht nur uns gegenüber), wie Ball abzocken (Mutter lächelt milde), von der Rutsche schubsen (Mutter lächelt milde), sich unzählige Male vordrängeln (Mutter lächelt milde, guckt wahlweise weg) und der Gipfel war, als sie den schwächsten Jungen der Gruppe, der Brillenträger ist, brutal (ja, wirklich!) gegen die Heizung stieß und ihm sofort im Anschluss die Brille von der Nase zog. Seine Mutter schrie laut „Nein! Das macht man nicht!“. Ihre Mutter, ja sie ahnen es, lächelte milde.  Was für zwei Arschlöcher.

Auf dem Nachhauseweg war ich enttäuscht von mir selbst. Das hätte ich besser machen sollen und müssen. Mich überfielen Fantasien, in denen ich das Jadekind auffordern würde zurück zu schlagen bei der nächsten Attacke. Nicht so sehr, weil ich  das mal sehen will, sondern weil ich die (mit Sicherheit und unter Garantie!) höchst empörte Reaktion der Arschlochmutter genießen würde um dann den Hinweis zu geben, dass sie Gewalt ihres Kindes doch auch toleriere  und wo jetzt das Problem sei. Aber Nummer eins, ist das auch irgendwie unverhältnismäßig und Nummer zwei müsste ich da mit dem Jadekind nochmal den Uppercut üben, das liegt ihr nämlich wie gesagt überhaupt nicht.

Also hab ich mich für Variante Nummer zwei entschieden. Bei der nächsten Gelegenheit (und die wird sehr schnell kommen), spreche ich die Mutter direkt an und zwar a lá „Findest du das eigentlich in Ordnung wie sich Elina verhält?“, dann warte ich die entsprechende Reaktion ab und lasse dem Gespräch seinen Lauf. Das regt mich jetzt schon auf das Gespräch, aber es nützt auch nichts, die beiden sollen in die mit 50 Kindern besetzten großen Turnhallen und sich dort (Achtung Wortspiel) durchschlagen.

Was für zwei Arschlöcher.

Das erste Mal andersrum

Gestern ist es dann passiert, das Jadekind geht ja seit Ende letzten Jahres an zwei Tagen die Woche zu einer Tagesmutter. Vormittags und für eine ganz gemütliche Zeitspanne. Am Anfang war es eine halbe Stunde, dann eine ganze und die Höchstleistung liegt bei drei Stunden. Mit dabei sind immer 1-2 andere Kinder. Ich glaube in der pädagogischen Fachsprache nennt man das Loslösegruppe. Beim Loslösen hat sich das Kind dabei an den ganz normalen Rhythmus von Kleinkindern innerhalb dieses Prozesses gehalten. Erst war die Zeit dort spannend und heiß geliebt, dann kam eine Phase in der es gar nicht hin wollte und ich nochmal wie zu Beginn mit rein musste, dann lief es ganz normal und in den letzten 2 Wochen lief es gar nicht. Das lag aber daran, dass wir hier alle mit einer fiesen Virusinfektion flach lagen und an ausserhäusige Veranstaltungen nicht zu denken war. Also war gestern der Tag, an dem das Jademädchen wieder mal zu „Bekka“ ging, ich hatte so ein bisschen meine Bedenken, waren wir doch länger nicht da, ob es eventuell wieder einen Rückfall in Richtung „Mama, pomm mit!“ geben könnte, aber Pustekuchen. Ganz freudestrahlend begab sich das gar nicht mehr so kleine Kind auf den Weg zur Haustür, selbstredend trug sie ihre Tasche selbst, drückte dann  beherzt  auf die Klingel, kurz danach mir einen Kuss auf den Mund und sagte „Tschüss Mama, Wiedersehn!“. Ja, soweit so gut. Als ich dann zwei Stunden später das Kind einsammeln wollte passierte etwas Neues im Rhythmus des Loslösens, sie wollte nämlich da bleiben, „bei Bekka bleiben“, und nicht mit nach Hause. Das Jadekind fing sogar an zu weinen und stampfte mit den Füßen. Da war ich perplex. Was ich gar nicht war, ist gekränkt oder verletzt. Das hört man ja immer wieder, dass es diese Gefühle bei Müttern dann geben soll. Aber diese Anwandlung hatte ich nicht eine Sekunde. Eher im Gegenteil, sofort nach dem ich das Perplexe überwunden hatte, war ich ein klein bisschen stolz und (jadasgebichzu) auch etwas amüsiert. Wie es dort stand das Kind und seinen Wunsch äußerte und es geschafft hatte sich so sehr ins Spiel zu vertiefen, dass ich einfach ungelegen kam. Es war das erste Mal andersrum. Und es war schön.

Immer wieder Paris

Es mangelt wahrlich nicht an Berichten und Kommentaren zu den Ereignissen des 13. Novembers 2015 in Paris.  Trotzdem habe ich das Bedürfnis auch meine Gedanken dazu festzuhalten.

Ich habe so gesehen Glück. Meine Kinder sind noch sehr klein.  Sie haben von den Attentaten nichts mitbekommen und ich gerate nicht in Erklärungsnöte. Kindern zu erklären was dort passiert ist, ohne das sie Angst oder Verunsicherung spüren, halte ich für eine große Herausforderung.

Aber das ist gar nicht mein Hauptglück, wenn man das überhaupt so nennen kann. Irgendwie finde ich die Bezeichnung „Glück haben“ in dem Zusammenhang fehl am Platz. Denn es hätte jeden von uns treffen können.  Jederzeit und überall.  Es hat weniger mit Glück als mit einer perversen Willkür unmenschlicher Fanatiker zu tun.

Vielleicht ist es besser zu sagen ich bin verschont geblieben, nicht nur von den Attentaten direkt (denn weder ich noch ein mir nahestehender Mensch wurden verletzt),  sondern meine Kinder sind eben noch klein. Sie fühlen nicht die Unsicherheit, die wie ein Ruck durch das Land geht. Sie wissen nichts von der Bedrohung die überall zu lauern scheint.  Kurz; für sie hat sich nichts geändert .

Und auch auf eine andere Art fühle ich mich verschont: durch das Alter meiner Kinder ist es nun mal so, dass sie noch nicht raus in diese Welt ziehen. Sie gehen noch nicht auf Konzerte.  Machen kein Auslandssemester in einer der schönsten Städte Europas. Sie sitzen nicht am Freitag Abend  in einem Café oder Restaurant und feiern ihr unschuldiges , freies Leben.

Ob ich dadurch die Möglichkeit habe sie besser zu beschützen weiß ich nicht.  Aber ich werde alles tun was in meiner Macht steht.

Ich wurde wie oben geschrieben nicht direkt getroffen.  Aber ich bin verletzt.  Wir sind alle verbunden miteinander, das was dort passiert hat mir weh getan und tut es noch. Während ich in meinem Bett lag und den Atemzügen meiner schlafenden Kinder lauschte und unsere Herzen im Gleichklang schlugen, verloren gar nicht weit weg Eltern ihre Kinder und Kinder ihre Eltern.  Durch Taten die so grausam wie kaltblütig wie sinnlos sind.

Wie es ist diesen Schmerz aushalten zu müssen kann ich mir nicht im Ansatz vorstellen. Allein der Gedanke darsn schmerzt und macht mich krank.

Das alles hallt in mir jeden Tag nach und ich bete zu Gott, dass er diesem Terror ein Ende machen möge. Das wir alle unser freies Leben wieder so leben können wie bisher. Das ich meine Kinder, wenn es Zeit dafür ist, in eine Welt ausziehen lassen kann, die verstanden hat, dass wir alle eins sind.  Wir und unsere Götter auch.

 

Und plötzlich hab ich gedacht „Brauchst du gar nicht…den Mantel von der Melli „

Alles Quatsch. Mal runterkommen. Mal durchatmen. Mal neu fokussieren.  Heute ist es passiert.  Die Melli kenn ich von den Musikzwergen. Ihr Sohn und meine Tochter machen einmal die Woche zusammen Musik. Also mehr oder weniger.  Wir Mamas sitzen im Kreis, singen mit ungeübten Stimmen viel zu hohe Kinderlieder und freuen uns, wenn die Kleinen da auch nur ansatzweise mitmachen.  Mütter eben. Jedenfalls war die Melli mit mir parallel schwanger (also jetztmit unseren zweiten Kindern) und nun ist es so; die ist immer ganz nah dran an perfekt. Die Klamotten passen immer zusammen  (und sind immer sauber!), die Frisur sitzt, das Auto ist gewaschen, das Kind ist durchgestylt und hübsch ist sie auch noch. Und heute, während ich im Auto saß und fuhr ( so 40km/h) ,  da bemerkte ich einen tollen Mantel.  Der war gewagt, nämlich blau mit weißen Punkten und nem tollen Schnitt.  Der spazierte da am Wegesrand. Sah so nach teurer Hamburger Individualistenmarke aus, DERBE, oder so. Naja und beim zweiten Hingucken. Wer steckt drin im Mantel?  Sie ahnen es: die Melli! Ja hab ich gedacht, das war ja klar, wer sonst. Und dann bin ich im Kopf meine Garderobe durchgegangen und hab gedacht;  so nen mutiger, cooler Mantel, der fehlt dir aber noch. Und es war so ein bisschen wie in der Werbung, als hätte der Mantel mit einem Versprechen gewunken, dass alles ganz leicht von der Hand geht (mit zwei Kindern und so) und auf Schlag glücklich und zufrieden macht er auch.

Das war ja heute vormittag.  Und irgendwie hab ich im Laufe des Tages immer wieder dran denken müssen.  Ich bin per se kein neidischer Mensch. Also sollte das jetzt im Fall Melli etwa so weit sein? Ich bin auch kein allzu materialistischer Typ. Ja, ich mag schöne Sachen und ich mag auch Shoppen, aber ich brauche Luxusgegenstände nicht zum glücklich sein. Also warum löst das alles so eine komische Sehnsucht in mir aus?

Wenn Sie denken jetzt kommt die Antwort, muss ich Sie enttäuschen. Die Antwort ist leider noch nicht vorrätig.  Aber es zeichnet sich eine Tendenz ab; ich glaube ich habe mir selbst ( entweder aufgrund meiner eigenen Erziehung oder aufgrund gesellschaftlicher Strömungen  (also kurz; dem Zeitgeist ) ) verboten, Bewunderung gegenüber anderen Menschen walten zu lassen.  Da kommt irgendwie automatisch Misstrauen mit hoch. Abr ich bewundere es, wenn jemand einen Stil hat, den man quasi auch aus dem Augenwinkel bei 40km/h sofort erkennt, wenn jemand sein Leben im Griff hat bewundere ich das auch. Da braucht man nicht komisch werden, es ist doch ok zu jemandem aufzuschauen (oder hinzuschauen) und zu denken „Hey, ich hab den Eindruck du bist cool und kriegst das alles gut geregelt! „. OHNE dass man sich selbst dabei schlechter fühlen muss. Warum denn? Eventuell kann der andere gerade wegen dieser Bewunderung als Antrieb und Schwung dienen!? Und  genau mit dieser Erkenntnis haben sich meine Melli-Gedanken schlagartig beruhigt. Was wohl beweisen dürfte, dass ich damit nicht auf dem totalen Holzweg bin.  Und dann kam noch ein toller Gedanke dazu, ohne dass ich den forciert habe, der kam einfach so, quasi freiwillig: „Brauchst du gar nicht, den Mantel von der Melli, hast selbst schöne Mäntel. „.