Inner Peace

Ich hab gar nichts mehr zur Motzfrei-Challenge geschrieben….das lag bestimmt daran, dass ich so viel um die Ohren hatte. Es begab sich nämlich zu einer Zeit, als mein Mann und ich die Rollen tauschen und er der Hausmann wurde und ich die Geldverdienerin. Hey, nur für 3 Monate, aber immerhin, wir haben einen echten Rollentausch vollzogen. Meist findet die Elternzeit der Väter ja nur als Doppelbesetzung der Mütter statt.

Nun sind 3 Monate vorbei und man muss sagen, wir hatten schon viele gute Ideen, aber diese, die steht ganz weit oben in der Liste.

Es ist bei weitem nicht so, dass ich einen Mann mit Reptiliengehirn geheiratet hätte, also der tickt schon „modern“, der hält von der sogenannten „Hausfrauenehe“ soviel wie von Turnschuhen mit Tomatensoße, der hat mich schon als wild, verrückt, frei und unabhängig kennen und dann noch lieben gelernt und dann sogar noch geheiratet. UND dennoch, um über die Rolle eines anderen zu sprechen, muss man halt mal ein paar Schritte in seinen Schuhen laufen.
In den allermeisten Fällen übernehmen die moderne Männer schon die Aufgaben der Mütter, aber ehrlich gesagt haben die immer nen Backup (die Mütter) und die Kindern selten längere Zeit alleine. Vielleicht mal zwei Stunden, aber dann kommen die halt mit in den Baumarkt oder schippen draußen Sand. Dagegen ist ja auch absolut gar nichts einzuwenden, aber es sind einfach andere Tätigkeiten als die Kinder morgens umzuziehen, über ein eventuelles Frühstück zu diskutieren und es eventuell zu zelebrieren, die Kinder dann nochmal umzuziehen, dann alle drei in Winterklamotten zu verfrachten, ins Auto zu verfrachten, in den Kindergarten zu fahren, dort ein Kind abzugeben, mit den beiden anderen nach Hause, oder einkaufen oder oder oder und dann zu kochen und dann nochmal alle anziehen, das andere Kind wieder abzuholen, dann zu Essen, dann wieder umziehen, Windeln wechseln und gucken wer einen Mittagsschlaf macht um dann, nach der Mittagspause, festzustellen, dass es noch drei Stunden dauert, bis der Partner nach Hause kommt, sich dann trotz Schietwetters für einen Spaziergang zu entscheiden, davor natürlich noch mal Windeln wechseln um dann eine Stunde im Nieselregen rumzulaufen, nach der Hälfte der Strecke noch ein Kinderrad zu schleppen, weil das doch nicht mehr gebraucht wird, um dann zu Hause festzustellen, dass es immer noch 80 Minuten sind, bis man Unterstützung bekommt. Sich dann erstmal einen Kaffee zu machen, den man halbwarm zur Hälfte austrinkt und so weiter und so fort….und das 5 Tage die Woche, 4 Jahre lang.
Das klingt nach jammern, ist es nicht, es ist nur die Herausarbeitung der Unterschiede zwischen dem Part, der den beruflichen Block zu Hause bei den Kindern hat und dem Part, der den beruflichen Block woanders hat…und der wundert sich manchmal warum der Zuhause-Part so abgeschlagen ist und um 9 Uhr ins Bett möchte….oder wundert sich warum der Zuhause-Part gerne mal abends alleine ein Buch lesen möchte, nur so für sich….UND DAGEGEN, gegen dieses wundern, hilft einzig und allein, meiner Meinung nach, die Schuhe des anderen zu schnüren und sich auf den Weg zu machen. Und deshalb bin ich dieses Mal auch arbeiten gegangen und nicht als Backup zu Hause geblieben und DAS war eine sehr gute Idee.

Aus folgenden Gründen:
+ich weiß, dass ich noch arbeiten kann und dass ich meinen Beruf liebe
+ich habe ein hübsches Weihnachtszusatzgeld verdient
+ich weiß auch, dass ich die nächsten Jahre zu Hause bleiben möchte, die Doppelbelastung von Beruf UND Familie ist mir noch zu viel, ich habe mich zu oft zu meinen Kindern sagen hören „ich habe jetzt keine Zeit“ oder „wir müssen uns beeilen“…und diese Sätze möchte ich nicht sagen, ich möchte Zeit haben
+auch ich bin in die Schuhe meines Mannes gestiegen und weiß nun, dass auch im Job, auch wenn man dort selbstbestimmtes ist als zu Hause, Tage existieren, an denen man nicht sofort zu Hause „funktionieren“ kann

Und, jetzt kommt es, mein Mann hat erfahren,

+dass die Diskrepanz zwischen galoppierender Langeweile und gleichzeitiger hoher nervlicher Belastung kräftezehrender ist, als er es sich vorgestellt hat
+dass man im Haushalt nebenbei stressfrei GAR NICHTS hinbekommt
+dass man für sich selbst sorgen muss, damit man genug Liebe in sich hat um damit täglich drei kleine Kinder zu füttern
+das Selbstfürsorge nicht (nur)über partnerschaftliche Happenings läuft und es nicht schlimm ist, wenn jeder alleine was unternimmt

Was haben wir draus gemacht?

+wir haben wieder eine Putzfrau, die alles macht und es entspannt uns alle so herrlich, ich kann es gar nicht in Worte fassen
(Dazu sei gesagt, dass ich absolute Ordnung im Zusammenhang mit Kindern also wirklich ernsthaft beklemmend erlebe. Meiner Meinung nach steht das im krassen Widerspruch zu Kreativität, Freiheit, Gelassenheit und ja, sogar zur Freude an und miteinander, wenn immer alles sofort ordentlich sein muss, wegen der Nachbarn und der anderen Menschen und was die denken und so….

+wir haben einen Zeitplan, in dem genau steht wer an welchem Tag Kinderdienst (abends) hat und wer frei hat

+wir machen immer am ersten Samstag im Monat was richtig Nettes zusammen, ob zu Hause oder außerhalb ist egal, wir sind abwechselnd damit dran uns was für den anderen auszudenken und gegebenenfalls einen Babysitter zu besorgen

+wir haben nochmal mehr geschnallt, wie verdammt gut es uns geht und dass hat die Liebe zwischen uns allen einfach nochmal mehr zum Leuchten gebracht. Diese Projekt mit drei Kindern ist einfach unglaublich für uns und wir machen das gut und wir sind ein gutes Team und haben tolle Kinder und darauf sind wir stolz.

Und noch etwas stellt sich ein, ich habs erst gar nicht gemerkt, doch dann wurde es mir klar, Ruhe, innere Ruhe, weil man manche Sachen eben hundert mal besprechen kann, aber erst wenn man sie gefühlt hat, wird es ruhig.