Wo leben wir eigentlich?

Ich hab es ja immer ein bisschen für einen Witz gehalten. Naja, dieses altmodische Denken, das manche Familie ja doch noch sehr im alten Rollendenken festhängt. Das die Moderne und die echte Gleichberechtigung noch nicht in den Köpfen angekommen ist.

Aber nun, in meinem vierten Ausbildungsjahr als Mutter – und das mittlerweile dreifach, da dämmert es mir allmählich.  Das ist kein partielles Festhängen einzelner Familien, Männer, Frauen, Oma, Opas usw…nein. Die ganze Gesellschaft hat da nen ernstzunehmendes Problem.  Denn, Überraschung (!), wir schreiben nicht das Jahr 1955, auch nicht 1971 oder vielleicht ’93…nein, es ist 2017 und trotzdem ist das hier eine ganz normale Geschichte:

Ein dreifacher Vater (mein Mann) nimmt Urlaub, um seiner Frau (mir) eine Woche Auszeit zu gönnen. Das wurfe vorher besprochen und war für beide selbstverständlich. Diese Frau hat sich bewusst dazu entschieden, sich, solange es finanziell möglich ist nur den Kindern zu widmen, den Beruf auf Eis zu legen, nicht weil sie es muss,  sondern weil sie das möchte.

Derselbe Mann ist berufsbedingt oft mehrere Tage am Stück unterwegs, teilweise sehr spontan ohne Planungssicherheit für die Familie. Außerdem war er erst im März diesen Jahres für 3 Wochen, ebenfalls berufsbedingt, unterwegs.

Was passiert, liebe Leser? Egal wohin der Mann sich auch in dieser einen Woche bewegt, überall raunt und staunt es: „Was? Deine Frau lässt die Kinder allein? “ (Nein, die sind ja beim Mann… ) / „Haha, das muss ich meinem Mann auch mal vorschlagen, der lacht sich kaputt!“ (Ist ja auch witzig…)/ „Ist das nicht schade um deinen Urlaub?“ usw usw

Ist das zu glauben?  Hat es umgekehrt, bei Abwesenheit des Mannes auch nur einen einzigen so gearteten Kommentar gegenüber der Frau gegeben?…Ich muss das nicht beantworten, sie kennen die Antwort bereits…

Ganz ehrlich das ist doch peinlich.  Diese eine Woche Urlaub hat so viel für mich bedeutet, war und ist so wertvoll für uns alle. Meine Gelassenheit im Umgang mit den Kindern und meine Zuversicht, dass unser Zuhause, die Kinder genau der Ort ist an dem ich sein will, meine Energie hineinstecken will, ist noch mehr gestiegen.  Uns allen tut das gut. Uns ist das klar. Aber was ist los mit den Leuten, mit der Gesellschaft, wo soll das hin? Kinder lernen vor allem am Beispiel, an dem was sie vorgelebt bekommen.  Soll das ewig so weitergetragen werden?  Ist es nicht an der Zeit die Generationenkette mal zu unterbrechen?

Natürlich gab es auch positive Reaktionen, aber die erreichten mich eher hinter vorgehaltener Hand. So als würde man einen Ökoaktivisten, der sich nicht an die Regel hält um seinen höheren Werte und Prinzipien treu zu bleiben, heimlich auf die Schultern klopfen  („Toll, dass ihr die Versuchstiere befreit habt, das müssten viel mehr Menschen tun. ..“).

Ich find das erstaunlich und traurig.  Hält man die Augen und Ohren auf, ist das Umfeld voll von solchen (und noch viel schlimmeren) Geschichten. Frauen, die für und mit den Kindern zu Hause sind und die Heizung nicht einschalten  dürfen, weil es ja warm genug sei. Das entscheidet natürlich der Mann, der gleichzeitig 10 Stunden am Tag im warmen Büro verbringt, während sie friert. Frauen, die sich ein Taschengeld auszahlen lassen, wie damals von Papi, weil sie mit der Entscheidung für Kinder ihr Einkommen verloren haben und ihre „Freiheit“ darin besteht sich alle 3 Wochen mit dem Taschengeld neue Nägel machen zu lassen.

Das ließe sich noch ewig fortsetzen….

Ich ende indem ich die Überschrift beantworte: Wir leben im Jahr 2017 Freunde, 2017….

Autor:

Jahrgang 79. Verheiratet. 3 Kinder. 1 Hund. Ich habe zu bloggen begonnen, weil ich selbst gerne in Blogs stöbere. Toll wäre wenn man tatsächlich ins Gespräch über Familie, Kinder, Erziehung, ...mit euch kommen könnte. Ansonsten benutze ich den Blog als eine Art "Notiz an mich selbst" und mache das ganz einfach aus Spaß!

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