Geliebtes Chaos

Ich sag es gleich zu Beginn und frei raus; ich mag diese ordnungsfanatischen, andere auf deren Ordnung beschränkende Menschen nicht. Falls Sie glauben so jemanden gibt es gar nicht. Ich hab im allernächsten Bekanntenkreis gleich zwei Exemplare davon. Ohne fies klingen zu wollen, ist das Ordnung halten in diesen Fällen auch eines der Hauptfähigkeiten, weswegen es eventuell auch so hochgelobt wird. Schade ist nur, dass tatsächlich das Phänomen Auftritt anderer Leute Ordnung, also natürlich nur die von anderen Frauen, auch wenn sie sich den Haushalt mit einem Mann teilen, zu beurteilen und zu bewerten und daraus dann tatsächlich deren Qualitäten als Hausfrau abzuleiten.
Sie finden das immer noch unfassbar? Das gibt’s doch gar nicht?
Doch doch, das ist keine Geschichte von vor 50 Jahren, oder von vor 100 Jahren, oder aus einem anderen Land, zum Beispiel der Türkei oder so. Nein, nein. Leider nicht.
Nun ja, was soll ich sagen; ich bin froh, dass ich das Chaos aushalten kann, dass ich meine Weiblichkeit nicht über Sauberkeit im Haushalt definiere (oh Gott klingt das krank!), dass ich meine Kinder (Mädchen!) so spielen lassen kann, dass sie danach so dreckig und staubig und sandig und matschig sind, dass nur eine Badewanne hilft, dass ich nicht ständig hinter den Kindern her räume, denn ich bin überzeugt, das Kinder Chaos brauchen, es ist kreativ, es lässt Dinge entstehen, man kann etwas erschaffen. In der Ordnung kann man Dinge nur nachahmen und niemals kreieren.

In diesem Sinne eine kleine Draufsicht unseres morgendlichen Frühstückstisches.
Ich liebe es.

Verweile doch, du bist so schön

Wir haben in unserem Garten einen Schmetterlingsflieder. Das war am Anfang eine wirklich kleine Pflanze, die in so einen normal großen Topf saß. Dann kam er in den Garten, ohne dass wir wussten wo man so einen Flieder am besten hinpflanzt. Seit einem Jahr gibt der Schmetterlingsflieder als solches Vollgas. Gestern waren dort so viele Schmetterlinge, dass ich mit den Kindern mehrere lange Momente davor stehen und staunen konnte.

Das passte und passt wunderbar zu meinem neuen Credo, dem leben im Moment, wohl wissend, dass sich dieser nicht festhalten lässt. Dabei ist genauso wichtig wie das Sein im Moment das gleichzeitige Loslassen der Gedanken an Vergangenheit und Zukunft. Denn tatsächlich absorbiert das Beschäftigen mit Dingen aus Vergangenheit oder Zukunft sehr viel Energie. Oftmals ist das gar nicht so positiv. Ich nenne nur mal einige Adjektive die damit verbunden sind; grübeln, nachtragen, bereuen, ängstlich, ungewiss, unmöglich, schwierig,…und so weiter und so fort.
Das ist total anstrengend. In der Tat fallen mir keine Wörter außer Vorfreude und Dankbarkeit ein, die im Zusammenhang mit der Zukunft oder der Vergangenheit positiv belegt wären. Egal wie rum man es dreht, es macht schlichtweg keinen Sinn, sich NICHT der Gegenwart vollumfänglich hinzugeben. Im Englischen nennt man die Gegenwart ja „present“ und witzigerweise bedeutet „present“ auch Geschenk. Ich kenn mich mit Stammesgeschichten von Wörtern nicht aus. Aber das ist doch einfach zu wundervoll um Zufall zu sein.
Jedenfalls gelingt der Alltag mit Kindern sehr viel besser und entspannter, wenn man sich diesem Credo verschreibt. Es ist absolut tödlich Zeit mit Kindern zu verbringen und dabei beispielsweise die ganze Zeit daran zu denken, was man noch zu erledigen hat oder was man um Himmels Willen in diesem Moment eigentlich sehr viel nützlicheres tun könnte. Das führt zu einer inneren Anspannung und Nervosität, die dann, egal ob es mit den Kindern gut läuft oder nicht, in einem Konflikt endet. Man ist genervt. Dafür können die Kinder gar nichts, der Konflikt entspringt ja dem eigenen inneren Konflikt nicht im hier und jetzt sein zu wollen. Und ich sag hier bewusst wollen, weil diesem Verhalten eine Entscheidung voraus geht, die man treffen muss.
Seitdem ich diese Entscheidung FÜR die Gegenwart getroffen habe, hab ich viel weniger Konflikte mit meinen Kindern. Oder besser gesagt meine Kinder mit mir….Ich akzeptiere, dass es jetzt so ist wie es ist und ich jetzt nichts anderes machen und anfangen brauche. Ich nehme mir auch nicht vor bis zum Zeitpunkt x geputzt, gesaugt, aufgeräumt, eingekauft oder oder haben zu wollen. Ich bin einfach nur im Moment. Und dann geschieht etwas Phänomenales, man gelangt in eine Art kindlichen Flow, kindlichen Flow, so wie früher. War es doch vorher so, dass sich 20 Minuten teilweise wie 2 Stunden anfühlten, kann sich dieses Verhältnis nun gut und gerne mal umdrehen. Das liegt auch daran, dass man durch die gewonnene Zeit, die man sonst mit Gedanken an vorher oder nachher verbracht hat, plötzlich auf das Beobachten und Erforschen der Persönlichkeiten der Kinder fokussieren kann. Und das ist sehr spannend. Dem liegt eine Fragestellung der Richtung „Wer seid ihr eigentlich und wie tickt ihr so?“ zugrunde.
Und dieser Perspektivwechsel führt zu einem Rollenwechsel, weg vom Erzieher und Aufpasser, hin zum Beobachter und Lenker. Eine ganze Kaskade von Kettenreaktion hat mein neues Credo mir nur binnen einer Woche eingebracht. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

In diesem Sinne, verweile doch, lieber Sommer, lieber Moment, lieber Schmetterling und lieber Flieder, du bist so schön.

Let them be little

Kind sein dürfen. Geliebt werden als Basisgefühl. Bedingungslos. Im Zorn und in der Freude. Akzeptieren und respektieren der noch so kleinen Persönlichkeit und dennoch Erziehen. Wobei auf das Ziehen verzichtet werden sollte. Erlenken vielleicht. Oder lieber Erfinden. Aber dann erfinden lassen. Im proaktiven Sinn. Wie auch immer. Nicht nur das gewünschte Verhalten unterstützen, sondern Stütze bleiben, auch wenn es ruckelig wird.

 

Diesen Absatz hab ich vor mehr als einem Jahr geschrieben und jetzt gerade wieder gefunden. Ich muss sagen, der ist gar nicht mal so schlecht. Tippen tue ich diese Zeilen nun gerade auf meinem neuen IPad Mini. Das hab ich mir tatsächlich hauptsächlich gekauft, um hier weiter bloggen zu können. Jaja, nun fühlen Sie sich mal nicht so geschmeichelt. Das mach ich nicht so sehr für Sie oder irgendwen, sondern für mich. Es soll mein kleines „Lebenstagesbuch mit meinen drei Kindern werden“. Drei?? Ja, richtig gehört. In diesem Beitrag hier  Wieviel Kinder hätten Sie denn gerne?  , hab ich noch thematisiert, ob und wann ein drittes Kind in Frage käme. Und dann haben wir uns entschlossen, im Oktober 2015, dass zu unserem Leben drei Kinder gehören. Das war eine sehr irrationale Entscheidung, das ist übrigens jede Entscheidung für ein Kind wenn man es genau nimmt. Jedenfalls war es eine reine, pure Herzensangelegenheit. Ziemlich schnell ging unser Wunsch dann in Erfüllung und ich wurde im November schwanger. Leider haben wir dieses Baby Neujahr verloren. Nach Schock und Trauer kam schon bald wieder Freude. Eben wie im echten Leben. Denn das verlorene Baby hatte sich in der kosmischen Warteschlange direkt wieder angestellt und gesellte sich bereits Anfang Februar wieder zu uns. Es hat so sollen sein. Es wäre unsere Chance für einen Rückzieher gewesen, aber es hat unseren Wunsch nur stärker werden lassen. Nun ja, das ist eigentlich eine Geschichte für sich. Jedenfalls bin ich nur schon im 8. Monat schwanger und im Oktober wird unser drittes Kind zur Welt kommen. Was für ein Geschenk.

Mit diesem IPad Mini und einer Bluetooth Tastatur, werde ich nun versuchen freie Minuten zwischendurch zum Schreiben zu nutzen. Denn es ist so sehr viel einfach als mit einem großen Laptop oder sogar unsrem PC im Obergeschoss. Da komm ich einfach nicht zu. Aber ich möchte schreiben. Meine Gedanken und Gefühle festhalten. All das Schöne, das Schwierige und auch das Traurige was zu einem Leben dazu gehört. Ich glaube das war und ist eine gute Investition.

In diesem Sinne; auf bald!