Der Tag an dem mein Kind das Sch…- Wort lernte

Lange nichts geschrieben, lange nichts gehört, aber das hatte nun wirklich seinen Grund. Hier begab es sich nämlich vor einiger Zeit, dass einiges aus den Fugen geriet. Und zurück in die Spur finden ist nicht unbedingt schwieriger als früher, aber es dauert länger. Das ist so ähnlich wie mit dem Kater, konnte man früher 3 Tage hintereinander durchfeiern und es genügte der halbe Sonntag und man war wieder auf Normalnull, so ist es doch heute gänzlich anders. Ein Abend ein bisschen länger aus, ein kleines Glas mittelstarken Alkohol zuviel und schon braucht man nicht einen halben Tag Regeneration, sondern direkt eine halbe Woche.
Und wir haben hier eine Woche hinter uns gebracht im September mit wenig Schlaf, viel Krankheit und viel Stress, die jetzt, so nach 4 Wochen endlich komplett verkraftet scheint. Klingt komisch? Ist aber so.
To make a long story short, hier im Telegrammstil: Der Mann eine Woche auf Fortbildung. Am ersten Abend alleine ereilt mich das traurige Gespräch mit einer Freundin über die Totgeburt, die ihre Schwester erleiden musste. Traurig und mitgenommen ins Bett. Um 3 Uhr aufgewacht und überzeugt gewesen Einbrecher im Haus zu haben. Herzklopfenderweise raus, Kinder schliefen. Gelauscht. Geräusch kam aus dem Badezimmer. Da schläft doch der Hund. Tür auf, kein Hund da. Der hockte in der Badewanne, dort war er schmerzerfüllt hineingesprungen (es sollte sich im Laufe der Woche herausstellen, dass er einen gequetschten Schwanz hatte und sich diesen so blutig gebissen hatte in jener Nacht, dass er vor Schmerz in der Badewanne landete). Hund aus der Wanne raus. Der war so schmerzerfüllt und schrie (der jaulte nicht, er schrie), dass ich ihn keine Sekunde aus den Augen lassen konnte. Gott sei Dank schliefen beide Kinder. Anruf bei meinen Eltern. Bitte um sofortiges Erscheinen. Gesagt getan (meine Eltern sind spitze!). Dann mit dem Hund zum Notarzt. Fehldiagnose (das führte dazu dass der Hund weiterhin Schmerzen hatte und mich 2 Tage auf Schritt und Tritt verfolgte). Erst dann fuhr ich (mea culpa) zu unserem Haustierarzt, der die richtige Diagnose stellte und auch den Schmerz endlich behandelte. Am Morgen dieses Tages (meine Nettoschlafenszeit lag bei ziemlich genau zwei Stunden. Und diesmal war netto=brutto) wachte das Jadekind mit Fieber und Bläschen auf der Zunge auf. Direkt vom Tierarzt zum Kinderarzt (nur vorher kurz Hund gegen Kind getauscht), Diagnose: Scharlach (Gott sei Dank stellte sich das auch als falsch heraus). So war ich dabei einen Hund, ein großes Kind und ein kleines Kind (die nun in osteopathischer Behandlung ist und sich seit dem viel gebessert hat), das sehr unruhig und weinerlich war, zu versorgen. Ende vom Lied war, dass ich an diesem Abend keine Milch mehr hatte und das kleine Bernsteinmädchen nun obendrauf auch noch aus Hunger schrie. Der echte Wahnsinn aber kam am nächsten Tag. Hund hatte sich etwas beruhigt, der Rest auch. Hund zum morgendlichen Geschäft machen in den Garten gelassen. Plötzlich jaulte der wieder. Hinausgerannt mit dem Jadekind ohne Schuhe auf dem Arm. Hatte den Hund doch tatsächlich eine Biene genau in seine wunde Schwanzstelle gestochen. Streng nach dem Motto: Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu. Diese Biene jedenfalls hing da nebst Stachel auch noch dran. Hund sprang wild umher, ich mit Kind auf dem Arm hinterher, um das Übel zu entfernen. Dabei, ich gestehe, ist mir nicht aufgefallen, dass ich wohl so an die vier, fünf mal, das Wort „Scheiße!“ ausrief. Dessen wurde ich mir erst bewusst, als Biene und Stachel raus, der Hund ruhig, wir wieder drin und das Jadekind mit nacktem Füßen auf dem Teppich stehend „deisse, Mama!“ sagte. Wohl wahr. Schlaues Mädchen.
Unnötig zu erwähnen, dass diese Woche sich genau so weiterentwickelte und ich, als der Mann am Ende der Woche wieder da war, irgendwie leicht neben mir stand.
Aber, und das muss ich noch erwähnen, weil es meine Theorie unterstützt, dass Authentizität in der Kindererziehung der Schlüssel zu vielen Erfolgen ist:
Das Jadekind erledigt ihren Mittagsschlaf stets ohne Begleitung, heißt; hinlegen, guten Schlaf wünschen, Zimmer verlassen, Kind schläft. Abends gestaltet sich das anders, sie möchte in den Schlaf begleitet werden, das sieht dann eben so aus, dass jemand neben ihrem Boot sitzt (das Bett ist ein Boot, also kein Gitterbett mehr) und sie streichelt oder ihr etwas erzählt, je nachdem. Je nach Energielevel schläft sie dann innerhalb von 10-30 Minuten ein. An diesem ersten Abend, nahm ich wie gewohnt neben ihr Platz und sagte Folgendes „Hör mal Jadekind, ich bin total müde, ich kann nicht mehr. Ich muss jetzt noch was essen und dem Hektor den Schwanz verbinden. Ich kann nicht bei dir bleiben heute, aber nachher, wenn du eingeschlafen bist, da guck ich nochmal nach dir.“ Dieses wunderschöne kluge Kind schaute mich kurz an, vergewisserte sich der Ernsthaftigkeit dieser Aussage durch einen Blick auf meine Augenringe und sagte dann: „OK, Mama!“
Das war’s, kein Geweine, kein Nachfragen, nichts, sie hatte es schlicht begriffen, es war die Wahrheit.
Da war ich doch noch etwas stolz, weniger auf mich, sondern mehr auf das Kind. Was war sie groß geworden.
Mittlerweile sind wir zum alten Ritual zurückgekehrt, vor allem weil es sich mein Mann nicht nehmen lassen möchte. Diese sanften letzten Minuten eines Tages mit ihr zu verbringen. Aber es ist gut zu wissen, dass es auch anders geht. Und zwar ohne Tricks.

Autor:

Jahrgang 79. Verheiratet. 3 Kinder. 1 Hund. Ich habe zu bloggen begonnen, weil ich selbst gerne in Blogs stöbere. Toll wäre wenn man tatsächlich ins Gespräch über Familie, Kinder, Erziehung, ...mit euch kommen könnte. Ansonsten benutze ich den Blog als eine Art "Notiz an mich selbst" und mache das ganz einfach aus Spaß!

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