4 Jahre goldgrabendes Bernsteinglück

Nun ist das auch so weit, das Bernsteinmädchen ist 4 Jahre alt geworden. Ich gratuliere dir von ganzem Herzen und bedanke mich bei dir für all die vielen Erfahrungen in den letzten Jahren und speziell in deinem letzten Lebensjahr. Was ist eigentlich alles passiert?

*du bist in den Kindergarten gekommen

*du fährst mittlerweile ziemlich gut Rädchen

*du hast deine Liebe zu Tieren und speziell zu Hunden weiter ausgebaut

 

Es ist kein Geheimnis, du bist in vielerlei Hinsicht unser herausforderndes Kind: du bist impulsiv, dabei oft laut, du hast noch nicht den idealen Weg gefunden dich selbst zu beruhigen, wir haben manchmal Schwierigkeiten die gleiche Wellenlänge zu finden, unsere emotionale Verbindung ist instabil und störanfällig.

Aber was bist du noch? Du bist unendlich liebevoll, du bist witzig und intelligent, du  bist fürsorglich zu jedem noch so kleinen Lebewesen. Du kannst die Schönheit der Welt erkennen, obwohl du noch so klein bist. Du stehst ein für deine Werte und deine Ziele, du verrätst dich nie selbst, du hast Überzeugungskraft und eine gute Kombinationsgabe. Ich könnte ewig so weitermachen.

Es geht nicht darum was alles schwierig ist mit dir, es geht darum, wo deine Schätze liegen. Es geht für mich darum, diese zu bergen. Dabei kann ich (und mein Mann natürlich auch) selbst unendlich viel lernen und das habe ich (respektive wir) bereits getan.

Früher fiel es mir schwer Dinge einfach zu akzeptieren. Du bist mir wert, das zu können. Früher dachte ich alles muss perfekt, geordnet und „ordentlich“ sein, du bist perfekt unperfekt, wie wir alle und deshalb so wertvoll. Früher dachte ich, das Leben ist nur gut, wenn es leicht und mühelos ist. Zu wissen dass das nicht stimmt, lässt mich das Leben erst komplett erleben und lehrt mich allen Momenten gegenüber dankbarer und wertschätzender zu sein.

Für dich geh ich diese Schritte und gehe sie gerne. Weil ich dich liebe für das was du bist, nicht für das, was du sein sollst.

„Anyone can find the dirt in someone. Be the one who finds the GOLD.“

 

Oh wie gut dass niemand weiß, dass ich Schneiders Engel heiß

 

Liebe Leser, wir sind viel beschäftigt und bedauerlicherweise ist das WLAN unseres Aufenthaltsortes defekt. Man sagte uns, das läge an Kabelarbeiten. Bitte, finden sie den Fehler selbst. Wir vermuten aufgrund dieses Fauxpaus auch, dass wir beobachtet werden und das WLAN absichtlich lahm gelegt wurde, wireless versteht sich, um unsere Operation zu gefährden. Das wird selbstverständlich nicht passieren. Aber heute traf uns eine Erkenntnis wie ein Blitz: es tut so gut, böse zu sein. Das klingt völlig unlogisch? Dann lesen sie heute den ERSTEN von DREI Top Vorteilen, wenn man als Agent durch die Welt geht:

  1. Erst der Perspektivwechsel machts möglich!

Simpel, aber nicht einfach. Ich behaupte, wenn das (Perspektivwechsel!) einfach wäre, würden sich sehr viele zwischenmenschliche Rangeleien in null komma josef auflösen. Außerdem auch viele „Probleme“ die wir mit und im Umgang mit unseren Kindern haben (um wenigstens ein bischen beim Ursprungsthema dieses Blogs zu bleiben).

Beispiel: Natürlich begegnen einem in so einer Reha auch Menschen, die einem nicht zusagen, die man eigentlich vielleicht sogar eher meiden würde, deren Geschichten man sofort in Schublade X,Y,Z stecken könnte. Aber das geht ja nicht. Wir sind Profis, Agenten der Spitzelklasse. Wir haben aufmerksam zuzuhören, zwischen den Zeilen zu lesen, die Tarnung nicht aufzugeben. Wir agieren nicht NORMAL, wir sind auf der Suche nach Flow und Mojo. Und die können überall stecken. Passend dazu gibt es eine allzufeine Geschichte von Brahma, der sich immer einen Spaß machte sich selbst zu verstecken, und natürlich auch so ausgefuchst war, dass seine Verstecke so gut waren, dass ihn nichts und niemand finden konnte, über Jahrzehnte hinweg. Was red ich – er spielt das Spiel heute noch! Brahma, als höchste Gottheit, könnte also dieser Sage nach in jedem von uns stecken. Selbes gilt natürlich für Mojo und Flow und sagen wir es mal so: falls wir Brahma finden SOLLTEN, dann weiß der sicherlich, als Ober-Chief-Glück-Inspektor, wo Mojo und Flow sich aufhalten. Bedeutet also: unsere geheime Mission verlangt höchste Aufmerksamkeit, vielleicht steckt ja ein Götterfunken in meiner Sitznachbarin oder in der Frau im Schwimmbad, vielleicht in dem Mann auf dem Ergometer neben mir. Oder der Putzfrau, die gerade an mir vorbei gehuscht ist. Allzu oft konzentrieren wir uns auf irgendein Ziel, das in der Zukunft liegt. Und dadurch verpassen wir den Moment, den Moment zuzuhören, den Moment Anteil zu nehmen, den Moment die blöden Schubkästen in unserem Gehirn mal zuzulassen und ‚open minded‘ zu sein. Nicht bewerten, beurteilen, abstempeln. Jeder kann Brahma, Mojo oder Flow sein.

Was suchen sie? Und tun sie es eventuell an der falschen Stelle, mit dem falschen Ziel und sind sich selbst ständig 30 Schritte voraus? 30 Schritte vor ihnen wird wohl kaum liegen was sie JETZT suchen. Gehen sie zum MI6, FBI, CIA oder meinetwegen auch zum BND, schaffen sie sich ein Alter Ego an! Wer ist ihr Geheimagent, wer schlummert in ihnen?

Werden sie sich des Moments bewusst und hören sie auf mit hätte, würde, könnte! Es gibt keine Umlauten in einem Agentenleben, die sind einfach nicht Telegramm-geeignet genug!

Zurück zum Ort des Geschehens, hier im Südharz, Agentenalltag: Jill Munroe saß neben der ihr zugewiesenen Sitznachbarin im Speisesaal. Aus Profiler- Sicht nicht annährend der ZP (Zielperson) ähnlich, verwandt, verschwägert oder sonst wie interessant für unsere Mission: Anfang 50, lebt in einer 800-Seelen-Gemeinde, Psychosomatik-Patientin, tendenziell einfach strukturiert, trägt schwarz-gelben Jogger mit der Aufschrift „Honey“, hat Gelnägel mit Blümchen, eine Brille von Bogner, braucht 5 Minuten um ein ‚Hallo.‘ zu äußern.

Dennoch, Jill, als ausgebuffte Agentin mit Doppelnull-Status hat sich mal Zeit genommen und die ganzen aufspringenden Schubladen schön wieder zugeklappt und zugetapt. Nach nur 72 Stunden und einigen gemeinsamen Mahlzeiten später hat sich der Phänotyp der Sitznachbarin nicht geändert. Aber Jill weiß nun, dass sie warmherzig ist und über eine weiche mädchenhafte Liebenswürdigkeit verfügt, die einem sehr oft ein Lächeln ins Gesicht zaubert, sie durch ihr spezielle Art und Ehrlichkeit faszinierend putzig ist und sich nach Liebe und Anerkennung sehnt, ohne zu wissen  wie ein Leben mit Liebe aussieht. Sie ist viel reflektierter als das die Schubläden von Jill zugelassen hätten. Sie hat ein gutes Herz und sich auf den Weg gemacht ihr Leben neu zu gestalten. 

Wären wir nicht auf geheimer Mission unterwegs, hätten wir das nie gesehen.

Dennoch: Flow und Mojo sind bei dieser Frau nicht aufzutreiben, Perspektivwechsel hin oder her. Aber wenn wir Flow und Mojo finden, geben wir ihr deren Aufenthaltsort bekannt, einfach weil sie es verdient hätte. (Ich sehe das Ä selbst!). 

Lesen sie morgen den zweiten Vorteil eines Agentenlebens!

 

Bild: http://www.pixabay.com

Drei Engel für Dr. Schneider

Ich muss sie enttäuschen. Ich bin gar nicht als Patient in einer Reha-Einrichtung. Und schon gar nicht brauch ich Erholung. Das ist alles nur Tarnung. Die Tarnung einer Mission, die nicht den Einsatz einer Spezialagentin bedarf, nein, in diesem Fall müssen es schon drei sein.

Ist ja auch völlig logisch

3 Kinder – 3 Wochen – 3 Agentinnen.

Was wir hier suchen lässt sich schnell beschreiben. Wir suchen Flow und Mojo. Leider haben wir das GPS Signal der beiden aktuell verloren, wahrscheinlich ist unser Peilsender aufgeflogen, aber weit können sie nicht sein.

Aber langsam, ich möchte sie nicht überfordern. Gestern diese maritime Parabel, heute der Agentenkrimi, was ist denn hier los? Der Reihe nach. Flow ist ein sehr spielerischer Charakter. Volle Konzentration bei maximaler Leichtigkeit sind seine Markenzeichen. Es handelt sich dabei um einen ganz speziellen Zustand, der nicht durchgehend aufrecht erhalten bleiben kann. Das ist auch nicht notwendig, denn eine Begegnung mit Flow lässt einen lange von seiner Energie zehren. Extrem hohe Suchtgefahr. Problem: Manchmal verschwindet Flow urplötzlich und ist dann sehr schwer auffindbar. Er ist wie vom Himmel verschluckt. Lassen sie sich diese Worte mal eben kurz auf der Zunge zergehen. Das bedeutet feinste Detektivarbeit ist da gefragt. Das Problem bei der Flow-Finderei: umso verbissener man rangeht, umso schwieriger wird es. Denn da macht sich Flow sofort davon, bei Verbissenheit, Spaßbefreitheit, Ernsthaftigkeit und Trübsinn blasen gibt der richtig Hackengas. Worauf Flow wirklich steht ist Spielen, spielerische Ziele, aktiv werden, kreieren, da ist er sofort dabei und kann eigentlich nicht nein sagen. Flow ist ein ausgesprochenes Spielkind. Ihn wiederzufinden ist nur eine Frage der Zeit.

Ja, und Mojo kennt man ja spätestens seit dem der Agentenkollege Austin Powers es verloren hatte. Bei ihm brachte das erhebliche Einbußen bezüglich Libido und Superschurkenkräfte mit sich, aber eigentlich ist Mojo eine magische Amulettträgerin. Mojo ist Glücksbringerin. Fertig. Nicht mehr, nicht weniger. Sehr vielfältig einsetzbar. Was auch immer man gerade vorhat, mit Mojo geht es wie von selbst. Es ist mit ihr wie mit der Butterstulle: besser haben als brauchen. Wenn Mojo sich dünn macht, dann führt das mindestens zu depressiver Verstimmtheit. Mindestens. Kann auch gern mal schlimmer kommen. Sie kennen diese Geschichten mit 7 Jahre Pech, schlechten Sex und Dürrezeiten.  Bei Mojo gestaltet sich die Suche auch gänzlich anders als bei Flow. Mojo kann man nicht mit nem lustigen Spielchen hinter dem Ofenrohr vorlocken. Die Suche nach Mojo ist in dem Moment zerstört wenn Hektik aufkommt. Gott bewahre ganze Suchtrupps nach ihr zu entsenden. Jede Form von Druck führt ins Nichts. Sie können Mojo nicht finden, Mojo findet sie. Todsicher. Deshalb ist eine Sache hier von äußerster Wichtigkeit: Ruhe bewahren, durchatmen, nicht so wild hin und her wuseln und in allgemeine Geschäftigkeit verfallen. Mojo kommt dann, wenn man nicht mit ihr rechnet.

Mojo und Flow sind extrem häufig gemeinsam unterwegs und multiplizieren auf diese Weise ihre Superkräfte, weshalb wir vermuten, dass sie sich auch aktuell, gemeinsam, hier ganz in der Nähe aufhalten.

So, nun sind sie leicht im Bilde. Wir, das sind Sabrina Duncan, Jill Munroe und Kelly Garrett, wir jagen FLOW und MOJO. Das ist unsere Mission. Bedauerlicherweise war Charlie bei der ersten Einsatzbesprechung nicht verfügbar, es wird gemunkelt seine Frau habe ein Kind bekommen und er sei unabkömmlich. Versteh einer die Welt. Deswegen wird er für diese Mission durch seine Rechte Hand, Dr. Elsa Schneider, vertreten. Bei wem es jetzt klingelt: Indiana Jones und der letzte Kreuzzug ist richtig. Dr. Elsa Schneider ist  nie in der Felsspalte, in der sie den heiligen Gral vermutete, zu Tode gekommen. Die Mission war zu diesem Zeitpunkt gescheitert, ein guter Agent weiß wie man einen wasserdichten Abgang hinlegt. Dr. Elsa Schneider jedenfalls war nie weg und wir könnten uns niemand Besseren an ihrer Stelle wünschen. Sie hat uns bereits erste Instruktionen zugespielt. Per Siegelbrief natürlich. Dieser zerstörte sich leider kurz nach dem Lesen selbst, glücklicherweise konnten wir noch ein Foto davon machen, das wir zwecks Glaubwürdigkeit hier gerne veröffentlichen.

Bleiben sie dran und verpassen sie nicht  die Jagd auf Mojo und Flow!

 

P. S. @ Charlie: Gratulation  zum Nachwuchs. Wir wünschen euch eine schöne Zeit, genießt es, die werden ja so schnell groß!

P. P. S. @Charlie: Nur Spaß, dauert ewig bis die groß sind, zieht sich wie Kaugummi. Wir hoffen du kommst danach überhaupt wieder. Nicht dass du in die Teilzeitfalle tappst. Toitoitoi! Deine Engel

Mama macht gold

Wie kam es eigentlich so weit, dass es so weit kommen musste. Das hab ich mich die letzten Tage häufig gefragt. Und im selben Mentalzug hab ich mich auch gefragt, ob es nicht grundsätzlich so weit kommen sollte. Ich habe mir eine Mutter-Kind-Kur ohne Kinder „organisiert“. Aber eigentlich finde ich, sollte es so sein, dass man automatisch so eine Kur verordnet bekommt, ohne dass irgendwas Spezielles sein muss. Und wie gesagt, nicht diese Mutter-Kind-Kuren, die, die sich Männer ausgedacht haben müssen. Sondern echte Kuren, so alleine, ohne Kinder, so richtig zum Erholen.

Davon soll dieser kleine Rapport handeln:

Von einer, die auszog zu tun, was längst alle tun sollten: als Mutter eine Kur beantragen, ohne einen schnellen Wiedereinstieg in den Beruf anzustreben und das ganze damit wirtschaftlich zu begründen, und ohne zu behaupten ich hätte ein BurnOut (warum ich das zwischendurch behaupten musste und warum das ätzend ist, erzähle ich dann nochmal) und ohne zu sagen ohne die Kur würde es mit mir aber rapide abwärts gehen. Sondern einfach aus Liebe zu sich und ihren Kindern und damit sie aufgetankt auch die nächsten Jahre noch gute Laune hat und diesen Wahnsinnsjob „Mutter“ wuppen kann. Klar, ich hätte es auch ohne Kur geschafft, tausende von Mamas da draußen schaffen das. Aber ich wäre nie ‚ganz‘ gewesen, hätte nie mein Potential voll entfalten können.

Mir ist ein schönes Bild dazu eingefallen, nämlich dass eines Schiffes. Wollen wir das mal gemeinsam versuchen? Also bitte. Sie können jetzt selbst entscheiden, was für ein Schiff sie sein mögen. Vielleicht ein kleiner Schlepper oder ein Flugzeugträger oder ein Kreuzfahrtschiff oder ein Fischerboot, eine Yacht, eine Jolle, was weiß denn ich. Auf jeden Fall sind sie ziemlich gut intakt, haben ein Haus gekauft, einen Baum gepflanzt, um dann ein Leck zu bekommen. Durchatmen, nicht aufregen. Kein Kind der Welt soll ein Leck sein. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, bleiben sie bei mir und ihrem Schiff, lassen sie mich mal machen, ich bügle diese kleine Unzulänglichkeit an späterer Stelle sorgsam aus. Also, sie bekommen ein Leck…..und das macht ihnen ganz schön zu schaffen, sie müssen ja zusehen, dass da nun nicht allzu viel Wasser ins Boot läuft. Je nachdem was sie sich ausgesucht haben, können sie das einströmende Wasser mehr oder weniger gut verkraften. Bei einem großen Schiff dauert es vermutlich länger bis sich das Leck bemerkbar macht. Außerdem hat ja jeder einen anderen Werkzeugkoffer an Bord. Werkzeugkoffer würde man vielleicht neudeutsch mit Resilienz beschriften. Meint also ihre höchsteigene Fähigkeit mit Stress umzugehen, die steckt da drin. Guter Werkzeugkoffer: effektvolle Möglichkeiten, weil sie vielleicht schon eine Entspannungsmethode gefunden haben, die genau zu ihnen passt, weil sie gut reflektieren können, weil sie die Fähigkeit haben das große Ganze zu sehen und sich nicht im Detail zu verlieren, weil sie ein gutes Selbstmanagement haben und wissen wann sie sich fordern und wann sie sich erholen müssen und so weiter. Oder eben nicht. Naja, also sie reparieren dieses Leck eben mit dem was da ist. So gut es geht, das bedeutet aber einige Zeit lang schlechte Nächte für sie, vielleicht schlechte Ernährung, weniger Sport, Freizeit, sie kommen auch gar nicht mehr an Deck und treffen ihre Freunde und hören was „draußen“ so los ist. Sie machen ja das Leck weg. Das ja jetzt ganz wichtig. Ihre neue Hauptaufgabe. Gut, das wird langsam besser, sie scheinen das Leck im Griff zu haben und dann, in aller Regel, dauert nicht lang, kommt ein zweites Leck. Sind sie wohl in der Mittagspause unglücklich mit dem Mechaniker übereinander gestolpert. Wie auch immer das passiert ist, der Spaß geht von vorne los. Was sie nicht wussten, dass das erste Leck beim Auftreten des zweiten Lecks einfach so, aus Lecksolidarität quasi, neue „Schwierigkeiten“ macht. Ja und dann müssen sie da sozusagen das Reparatur Kit Nummer 2 auffahren, nebenbei Leck 1 gut zu reden und aufpassen, dass ihnen der Mechaniker nicht das Timing versaut. Das findet sich manchmal gar nicht so leicht, da hat man dann schon Stress, die Nächte, sie wissen schon, die diffundierten Freundschaften, ihr Wissensstand bezüglich der weltpolitischen Lage nimmt auch rapide ab, denn zu Tagesschau-Zeiten, da sind sie so fertig vom Leck-stopfen, da schlafen sie dann einfach. Naja gut und bei mir war das so….ich bekam noch ein drittes Leck. Ich hatte es drauf angeleckt sozusagen. Ich hätte mich ohne drittes Leck nie und nimmer nicht im Leben vollständig gefühlt. Das ist ein Gefühl, dass kann man nicht beschreiben, dass muss man haben. Kennen sie diesen Spruch: „Wenn aus Liebe Leben wird“, steht ganz gern in Geburtsanzeigen und so. Mein persönliches Pendant dazu ist: „Wenn Irrationalität einen Namen bekommt“. Das klingt jetzt fies und böse und gemein. Aber es IST die Wahrheit. Kinder bekommen ist irrational. Unabhängig von ihrer Anzahl. Auch ein halbes Kind, sofern möglich, ist EIGENTLICH unvernünftig. Warum sollte ich mir denn die Nächte um die Ohren schlagen, und mein Geld ausgeben, dass ich nicht mehr verdiene, weil ich ja jetzt zu Hause bin, meine Selbstbestimmtheit über Jahre an den Nagel hängen, nur weil Kinder irgendwann anfangen zu lächeln? Neee, das kann es nicht sein. Kobaldmaki lächeln auch wenn man sie am Schwanz zieht. Das ist eigentlich auch ein guter Buchtitel. Egal für den Moment, fest steht: Kinder bekommen bleibt irrational. Ich sage nicht, dass es deswegen sinnlos oder dumm ist, das sehe ich nicht so, es ist nur nicht mit dem Verstand argumentierbar. Und deshalb ist es auch nicht mit dem Verstand argumentierbar ob man eins, zwei, oder drei haben möchte, dass ist eine Leistung der Seele. Nennt sich Liebe, die Vorstufe dazu heißt Sehnsucht.  

So, jetzt haben wir also drei Lecks und alle beeinflussen sich irgendwie gegenseitig und sie sind nun ganz gut beschäftigt mit dem reparieren derselben. Der Werkzeugkoffer wird irgendwie immer spärlicher und naturgemäß gerät ihr Schiff auch noch in den ein oder anderen Sturm. Wäre ihnen nicht passiert, wenn sie fein im Hafen liegen geblieben wären. Aber das nennt sich dann nicht Leben, sondern Museum, dafür werden Schiffe nicht gebaut.

Die Nummer mit den Lecks wird jedenfalls zum Fulltime-Job, die Verzweiflung wächst, die Gelassenheit schwindet, irgendwann schauen sie mal in den Spiegel und erkennen sich nicht mehr selbst. Das kann durchaus eine positive Erfahrung sein, wenn sie ein halbes Jahr eine Auszeit im neuseeländischen Outback genommen haben zum Beispiel, dann ist das toll und sie sehen ein neues, strahlendes Ich. Aber hier, stehen sie in der dunklen Schiffstoilette im Schiffsbauch, die Funzel wirft nur flackerndes, spärliches Licht und von Glanz und Energie und Licht kann nicht die Rede sein. Ehrlich gesagt erschrecken sie sich zu Tode bei ihrem eigenen Anblick.

Und dann wird klar: das kann ich hier noch ein paar Jahre durchziehen, ist nicht gesund, ist nicht gut, aber geht – ODER: wir fahren mal in die Werft…und legen das Schiff ins Dock und reparieren die Lecks in aller Ruhe und ordentlich, so dass wir danach mit voller Kraft voraus unsere Reise antreten und gemeinsam die Welt entdecken können. Mit Freude, Liebe und Leichtigkeit. Und vielleicht schau ich dann einmal in den Spiegel und weiß nicht mehr wer ich war, damals, jetzt, und das ist dann eben der Prozess und gut so. Aber der Schrecken hatte ein Ende.

Und nun lasse sie mich meine obige Gemeinheit ausbügeln. In meiner Werft, die da Selbstliebe und Wertschätzung, Weiblichkeit und Hochachtung vor allem Lebendigen heißt, da wird nicht einfach so repariert, da reparieren wir nach dem japanischen Prinzip KINTSUGI. KINTSUGI ist soviel mehr als eine traditionelle japanische Reparaturmethode, hinter ihr versteckt sich die Philosophie des Wabi Sabi. Und dabei handelt es sich um ein ästhetisches Prinzip, dass die Fehler wertschätzt und die Einfachheit der Dinge in den Vordergrund stellt. Es ist sozusagen die Gegenbewegung des maßlosen Konsums und der Wegwerf-Gesellschaft, in der wir uns trotz wachsenden ökologischen Bewusstseins immer noch befinden.  Denn Dinge, die kaputt gegangen sind, auch wenn es nur eine einfache Teeschale ist, werden mittels Goldstaub und einem speziellen Japanlack repariert. Das verschafft dem Objekt eine neuartige Einzigartigkeit im Aussehen und darüber hinaus erfährt der Gegenstand die Wertschätzung, die es beinhaltet sich einer Sache zu widmen um sie wieder herzustellen. Nichts ist so wertvoll wie Zeit in dieser Welt. Wer seine Zeit ‚opfert‘, der gibt das Wertvollste was er hat. Natürlich sind weder meine, noch sonst welche Kinder auf der Welt ein Fehler und deshalb hinkt auch dieser Vergleich, wenn man versucht alles auf die Goldwaage zu legen. Aber es ist so: Kinder hinterlassen Spuren (Gott sei Dank!)in der Geschichte ihrer Mutter. Und diese sind nicht immer angenehm, schön und positiv. Es gibt eine Menge Veränderungen, die mit der Geburt eines Kindes einhergehen, die alles auf den Kopf stellen, die einen Abschied vom alten Leben bedeuten, die Ängste auslösen, die das eigene Gleichgewicht gefährden, verändern oder zu Tage legen, dass es nie da war, die Beziehungen zu anderen Menschen verändern, manchmal radikal. Es gibt auch physische Veränderungen, von Kaiserschnittnarben, Geburtsverletzungen, Schwangerschaftsstreifen, zerbissenen Brustwarzen, verformten Brüsten über Inkontinenzen und und und. Nur weil niemand drüber redet, sind sie nicht nicht da. Und diese Veränderungen, diese Verletzungen, die sind die Fehler in meiner Metapher, die Bruchstellen einer Biographie, die Lecks. Wir sollten sie nicht wegschmeißen, ein neues Schiff kaufen, fahrlässig und genervt reparieren, wir sollten sie auch nicht so lassen und uns weigern hinzusehen, wir werden absaufen wenn wir das tun. Nein, wir sollten uns die Zeit nehmen und sie mit Liebe und Gold flicken. So dass unser Schiff  einzigartig wird und immer schöner. Weil wir es uns wert sind (wehe sie denken jetzt an Werbung!). Und deshalb bin ich hier. Ich bin in der Kintsugi – Werft meiner eigenen Biographie. Ich bin in der absoluten Introspektive. Ich werde in 3 Wochen vom Stapel laufen. Mit viel Gold und so schön und stabil wie noch nie. Da bin ich mir sicher. Und DANN kann ich meine Kinder tragen, begleiten und Ihnen die Welt zeigen, aus meiner Kraft, nicht aus meiner Schwäche heraus.

Und der Weg dahin, den erzähle ich hier. Und warum ich schummeln musste für die Eintrittskarte und warum das nicht sein darf. Und wie alles gekommen ist und wie alles gegangen ist. An alle Mütter in den Schiffsbäuchen, auf Knien, schwitzend, kein Land in Sicht und Deck schrubben ist auch noch dran – vergebt den Vätern, eure Werft wird kommen.

 

Credits : Bild: pixabay

Und allen Vätern: ich kann das hier nur machen, weil meine Kinder einen Vater und ich einen Mann habe, der absolut einmalig ist. Ich bin unendlich dankbar dafür! Es geht in meinen Texten nie um das Bashing von irgendwem, es geht um Meinungen  Nachdenken Anregen Philosophieren Tagebuch führen Erinnern.

Der einzig wahre Erziehungsratgeber

„Man darf von diesem Buch keine simple Anleitung zur Kunst des Liebens erwarten; tut man es doch, wird man enttäuscht sein.“

„Wenn man von der Liebe spricht, ist das keine „Predigt“, denn es geht dabei um das tiefste, realste Bedürfnis eines jeden menschlichen Wesens.“

Das ist der erste und fast (dritt-)letzte Satz in Erich Fromms „Die Kunst des Liebens“. Erstmalig erschienen 1956 (USA) hat es an Aktualität in Nichts eingebüßt. Ich erinnere mich dieses Buch vor ungefähr 20 Jahren mit ungefähr 20 Jahren gelesen zu haben und es gibt nur zwei Möglichkeiten; entweder war es damals ein anderes Buch oder ich ein anderer Mensch. Ich lass das mal so stehen….

Als dreifache, stets bemühte und stets an sich selbst scheiternde Mutter, war dieses Buch, nach einer Vielzahl von Büchern, Artikeln, Vorträgen, Coachings und Podcasts zum Thema schlichtweg ein „Eye-Opener“.

Fromm versteht es so wohlig-warm auf der einen und so analytisch-hart auf der anderen Seite die Liebe an ihren Wurzeln zu packen, zu sezieren ohne sie anzugreifen und vor allem zu differenzieren von den zahlreichen Pseudolieben mit denen wir uns 1956…äh…heutzutage so fein einen in die Tasche lügen.

Besonders interessant und erhellend waren aus der Mutterperspektive die Kapitel „Liebe zwischen Eltern und Kind“, „Mütterliche Liebe“ und „Selbstliebe“.

Dabei sei nur mal vorweg gesagt, dass Fromm einen krassen Schnitt in puncto Mutterliebe ansetzt, die beginnt bei ihm nämlich nicht bei der liebevollen Versorgung eines zu 100% hilflosen Säuglings, sondern beim selbstlosen und schmerzhaften Loslassen des eigenen Kindes und dessen Beförderung zu immer mehr Selbstständigkeit und damit Unabhängigkeit.

Wahre Mutterliebe besteht darin, für das Wachstum des Kindes zu sorgen, und das bedeutet, daß sie selbst wünscht, daß das Kind von ihr loskommt.[…]Die Mutterliebe zum heranwachsenden Kind, jene Liebe, die nichts für sich will, ist vielleicht die schwierigste Form der Liebe; und sie ist sehr trügerisch, weil es für eine Mutter so leicht ist, ihr kleines Kind zu lieben. Aber gerade, weil es später so schwer ist, kann eine Frau nur dann eine wahrhaft liebende Mutter sein, wenn sie überhaupt zu lieben versteht […]. Eine Frau, die nicht fähig ist, in diesem Sinn zu lieben, kann zwar, solange ihr Kind noch klein ist, eine fürsorgende Mutter sein, aber sie ist keine wahrhaft liebende Mutter. (S.86 f)

Das darf man sich ruhig mal auf der Zunge und auf ein, zwei Gehirnzellen zergehen lassen. Und dann darf man seinen eigenen Erziehungsstil, seine Handlungen, Denkweisen und Pläne für die Zukunft nochmal kurz daraufhin überprüfen. Lohnt sich.

Selten habe ich so klar formuliert gelesen, welche Bedeutung und Kraft Selbstliebe hat wie im gleichnamigen Kapitel Fromms. Auch für Fromm ist sie die Voraussetzung zur Liebe generell („Liebe ist grundsätzlich unteilbar; man kann die Liebe zu anderen Liebes-„Objekten“ nicht von der Liebe zu, eigenen Selbst trennen“ (S.98)/ „Wenn ein Mensch fähig ist, produktiv zu lieben, dann liebt er auch sich selbst; wenn er nur andere lieben kann, dann kann er überhaupt nicht lieben.“ S.99) In aller Härte und Klarheit wendet er dieses Prinzip erneut auf die Mutter-Kind-Beziehung an. Mütter, die glauben aufopfern und alles geben, bis zum, im wahrsten Sinne des Wortes, „Geht nicht mehr!“, anschnallen, es wird ruppig:

[…] speziell in der Wirkung, die eine solche „selbstlose“ Mutter auf ihre Kinder hat. Sie meint, durch ihre Selbstlosigkeit würden ihre Kinder erfahren, was es heißt, geliebt zu werden, und sie würden ihrerseits daraus lernen, was lieben bedeutet. Die Wirkung ihrer Selbstlosigkeit entspricht jedoch keineswegs ihren Erwartungen. Die Kinder machen nicht den Eindruck von glücklichen Menschen, die davon überzeugt sind, geliebt zu werden. Sie sind ängstlich, nervös und haben ständig Angst, die Mutter könnte mit ihnen nicht zufrieden sein, und sie könnten ihre Erwartungen enttäuschen. Meist werden sie von der versteckten Lebensfeindschaft ihrer Mutter angesteckt, die sie mehr spüren als klar erkennen, und schließlich werden auch sie ganz davon durchdrungen. Alles in allem wirkt eine  derart selbstlose Mutter auf ihre Kinder kaum anders als eine selbstsüchtige, ja die Wirkung ist häufig nocht schlimmer, weil ihre Selbstlosigkeit die Kinder daran hindert, an ihr Kritik zu üben. Sie fühlen sich verpflichtet, sie nicht zu enttäuschen; so wird ihnen unter der Maske der Tugend eine Abscheu vor dem Leben beigebracht. Hat man dagegen Gelegenheit die Wirkung zu studieren, die eine Mutter mit einer echten Selbstliebe auf ihr Kind ausübt, dann wird man erkennen, daß es nichts gibt, was dem Kind besser die Erfahrung vermitteln könnte, was Liebe, Freude und Glück bedeuten, als von einer Mutter geliebt zu werden, die sich selbst liebt.“ (S. 102 f)

Ich verstehe nicht, warum das nicht dick gedruckt in jedem Kreißsaal, noch besser in jedem Kindergarten, in jeder Schule, in jeder Küche, in jedem Spielzimmer,… einfach überall auf dieser Welt dick an den Wänden steht. Es ist einfach so verdammt wahr.

Dieses Buch jedenfalls ist das perfekte Mitbringsel für alle werdenden Eltern, die ganze „Oje, ich wachse“/“Babyjahre“-Schwachsinnsliteratur braucht kein Schwein und schon gar kein Kind.

Die in diesem wundervollen Buch permanent mitschwingende Gesellschaftskritik, die anprangert, dass die Liebe materialisiert wird und als Tauschobjekt mit all dem anderen Schrunz auf dem Markt landet, ist phänomenal präzise und unter dem Aspekt, dass sie 1956 formuliert wurde, fast schon unheimlich.

Solange du vor dem Säbelzahntiger flüchtest, dichtest du kein Sonett – die Leiden der Mütter die was ändern wollen

Die Vorgeschichte

Es gibt eine Diskrepanz zwischen meinem aktuellen „Mutter sein“ und meinem Wunschbild von „Mutter sein“. Für die, die jetzt schon die Augen rollen, weil sie denken, da redet so ne esoterische verschwurbelte frustrierte Hausfrau von Energien, und Idealbildern und Bullerbü-Welten, dann klickt bitte auf das kleine Kreuz oben rechts und verpisst euch. Diese Reaktionen kenn ich nämlich schon, die langweilen mich und ich setze mich damit gar nicht mehr auseinander. Es geht mir um Persönlichkeitsentwicklung, nicht um das Setzen von unerreichbaren Zielen. Ich weiß, dass es möglich ist, dieser Mensch zu sein, den ich in meinem Kern schon so oft sehe. Ich weiß auch, dass ich mir damit viel Schmerz und Kampf und viel Mühe auflade und ja, verdammt nochmal, ich weiß auch, dass es viel leichter wäre, die Sachen einfach so zu akzeptieren wie sie sind, nichts zu hinterfragen und mit dem Motto „das hat uns ja auch nicht geschadet“ einfach das zu machen was man kennt, weil das so schön bequem ist. Aber ehrlich, da würde ich lieber sterben, als mich selbst so zu beschneiden. Als Mensch hat man so ziemlich als einzige Kreatur die Möglichkeit der Reflektion und damit die Möglichkeit sein Verhalten bewusst zu verändern. Verhalten nachhaltig zu verändern, geht nur über Gefühle ändern, denn die ändern dann deine Gedanken und deine Gedanken bestimmen dein Verhalten. Aber Gefühle  ändern ist mitunter ein schmerzhafter Prozess, weil man in sämtliche Gefühle erstmal einsteigen muss, weil man sie nicht festhalten darf und weil man bereits schon Gedanken manifestiert hat, die einem dabei immer wieder im Weg stehen.

Da ich ja auch im Powerlifting unterwegs bin benutze ich jetzt mal die Metapher einer Kniebeuge. Die kann man richtig oder falsch machen. Ich habe sie in den letzten zehn Jahren trainiert und dabei eine klitze Kleinigkeit falsch gemacht. Mein Hüfte war ein paar Grad zu sehr gekippt, die Bauchspannung ging dadurch verloren und Rückenschmerzen stellten sich ein. Ich konnte schon 70 kg beugen, aber nur mit meinem alten Muster. Was mein Kopf schon lange wusste (also wie ich theoretisch eine saubere Beuge mache), hab ich jetzt auf meinen Körper und mein (Körper)Gefühl übertragen (wie ich praktisch eine saubere Beuge mache). Aktuell beuge ich sauber 50 kg. Wenn ich mich aktuell dem „Stress“ von 70 kg aussetze, verfalle ich sofort zurück in mein altes Muster, es sitzt einfach zu tief.

Die Ausgangslage

Und genau so verhält es sich mit dem Stress zu Hause. In einem entspannten oder kontrollierbaren stressigen Rahmen, kriege ich meine neuen Verhaltensmuster gut umgesetzt, ich muss mich mitunter konzentrieren, ich beobachte mich stellenweise noch sehr genau, aber es klappt. Doch dann gibt es eben noch die nicht kontrollierbaren Situationen, Situationen in denen nichts so klappt wie gedacht und zig unvorhergesehene Dinge passieren. Hier ein kleiner Auszug, aus einer Situation, die vielleicht nur 2-5 Minuten dauert, dabei aber wahnsinnig laut und voll Geheule ist und in der es (zumindest für die Kinder) echt um was geht:

Die Mittlere kloppt dem Kleinen, weil der auch mal anfassen will, den gerade entdeckten Handfeger über den Kopf, während die Große den Locher und seine Atompapierschnippsel in der Toilette entleert, alle brüllen und wollen meine Hilfe, während ich versuche die Feuer zu löschen, verbrennt der Pfannkuchen auf dem Herd.

Neulich wurde ich gefragt, wie oft diese extrem stressigen Situationen, in denen sich hier alles überschlägt auftauchen und ob ich wohl da eher von 10 oder von 15 Situationen im Monat(!) spräche. Nachdem mein lautleises, trockenverschlucktes Lachen verklungen war, sagte ich: richtig, 10-15 Situationen, nur nicht im Monat, sondern am Tag.

Gehen wir mal von 10 aus, das lässt sich super rechnen, denn ich bin jeden Tag 10 Stunden mit den Kids alleine, macht also eine Eskalation pro Stunde. In der Realität kann sich das natürlich anders verteilen, aber fürs Erklären ist das super. Dann schaff ich es also 55 Minuten lang, ganz normal und entspannt zu sein und eben so wie ich bin und sein möchte. Dann kommt Eskalation 1 in Stunde 1. Die steck ich auch noch (je nachdem wie die Nacht war) gut weg. Aber bei Eskaltion 4 oder 5 oder 6 ist dann einfach der Stresspegel irgendwann so hoch, dass ich in mein altes Muster verfalle. Und nicht selten beginnt dann eine Abwärtsspirale aus der man mal leichter und mal schwerer wieder raus kommt. Ich überlasse es mal jeder Leserin und jedem Leser selbst, dieses Szenario auf 5 Tage die Woche im 3 Jahre Dauerschleifenmodus anzuwenden. Ich will hier nicht rumheulen, kein Mitleid und mich nicht beklagen, aber es ist eben wie es ist. Und Verhalten in Stresssituationen ist eben nicht nur Psychologie und guter Wille, sondern auch zu einem großen Teil Biochemie.

Warum Biochemie

Da gibt es diverse Stresshormone, wie Adrenalin und Noradrenalin und die machen den Kopf mal komplett nicht frei, sondern sorgen für nen ordentlichen Tunnelblick, in dem man seine ganz basalen Muster abspielt. Anders formuliert: Solange du vor dem Säbelzahntiger flüchtest, dichtest du kein Sonett. Es ist eben wie mit der schweren Beuge, wenn die 70 kg (noch) zuviel sind, dann kannst du nicht so „performen“ wie du eigentlich weißt, das es richtig ist. DU kannst das Gewicht bewegen, aber es ist nicht gesund. Die alten Muster sitzen zu tief und werden sofort abgerufen. Also muss man mit dem Gewicht runtergehen, die Technik verbessern und insgesamt stärker werden, damit man dann auch in stressigen Situationen angemessen reagieren kann.

Wenn ich Geschreie meiner eigenen Kinder höre, auch wenn ich weiß, dass sie nicht in Lebensgefahr sind. Die Rezeptoren und Synapsen in meinen Gehirn wissen das nicht. Ich bin überzeugt davon, dass eine Blutprobe vor und nach der oben beschriebenen Szene Bände sprechen würde, was mein Stresslevel angeht. Ich kann das nicht willentlich steuern und ich kann in der Zeit nicht die lockere, gelassene, liebevolle Mutter sein, die ich so oft schon bin, die in mir steckt und die ich sein möchte. Ich funktioniere dann nur. „Ist doch normal“ höre oft als Reaktion, „man muss auch mal motzen“. Ja, kann sein, ja vielleicht, aber ich werde nicht aufhören das ändern zu wollen, ich werde nicht aufgeben. Weil ich es für meine Kinder tue, für sie und für mich und dafür, dass sie selbst mit ihren eigenen Kindern, später als Eltern, bildlich gesprochen, jederzeit 150 kg beugen können. Ohne Verletzungsgefahr.

„She believed she could, so she did“

Wovon redet die eigentlich

Ok, ich werde mal konkret, wer bis hierhin gelesen hat, hat es verdient. Wie schon erwähnt, ich ernte oft verdutzte Blicke, weil wenn man mich kennt, weiß man, dass ich diesen Job hier mit drei sehr kleinen Kindern und dem entsprechendem Anspruchsniveau bereits sehr gut mache. Größtenteils. Bedienen wir uns nochmal unserer kleinen Statistik von oben und behaupten 7 von 10 Extremsitutionen am Tag meistere ich hervorragend (nicht weil es mir in die Wiege gelegt wurde, sondern weil ich die letzten Jahre viel Zeit mit Meditation, guten Büchern und guten Menschen verbracht habe). Macht 35 Top-Performances in der Woche. Cool. Sind dann noch drei verkackte Situationen, also 15 pro Woche. 15 zuviel. Was mach ich da eigentlich, was mich so runterzieht? Hier die Wahrheit, frei raus, auch wenn es weh tut das überhaupt zu formulieren:

  •  wenn ihr nicht gleich aufhört, dann“ – ja, ist Erziehungsalltagssprache wo man auch hinhört, aber mal ehrlich, wie scheiße ist das bitte, wie sehr kann man seine eigene Hilflosigkeit mit willkürlichem Machtmissbrauch überspielen?? Ich will das nicht, das ist armselig.
  • „ich würde ja mit dir auf den Spielplatz gehen, aber“ – schlägt in die gleiche Kerbe, kein Kind dieser Welt kann sich für die abertausend Aber-Sätze die es im Laufe seiner Kindheit hört irgendwas kaufen. Alles was man als Kind lernt ist, die Erwachsenen sagen Dinge, die sie eigentlich nicht wollen, verpackt in einen Satz, der so anfängt als hätten sie dich verstanden und dann kommt ein ABER. Niemand macht das was er sagt, alle machen nur das was sie wollen. Was ist das für ein beschissenes Mindset das man damit aufbaut? Ich will das nicht, das ist armselig.
  • laut werden – kein weiterer Kommentar, wenn es nicht gerade darum geht, dass das Kind gedankenverloren auf die Strasse rennt und vom Auto überrollt werden könnte, dann ist laut werden, brüllen und all das ABSOLUT ARMSELIG. Armseliger geht es gar nicht. Es ist Gewalt, es ist scheiße und es passiert mir trotzdem. An alle da draußen, die auch schon ihre Kinder angebrüllt haben oder das regelmäßig tun: Wenn ihr das toll findet andere Menschen anzubrüllen, dann macht das doch mit den unzähligen Menschen da draußen, die sich jeden Tag kacke benehmen und  echte Arschlöcher sind. Das wäre mutig und ihr bekommt meinen Applaus. Aber bitte nicht mit Schutzbefohlenen, die von euch auf jeder Ebene abhängig sind. Das ist so unfair und einfach nur armselig.
  • echtes Interesse, richtige Prioritätensetzung –  nein nein nein, ein ordentliches Haus, gespültes Geschirr, ein gemähter Rasen und gebügelte Wäsche ist NIE NIE NIE wichtiger, als die begeisterte Geschichte die eure Kinder euch gerade erzählen wollen. Ich erwische mich zu oft dabei, nicht richtig zuzuhören, weil ich irgendwas anderes erledigen „muss“ und dieses Erledigen selbst dann nur schwer abbrechen kann, wenn es stressig wird. Ganz ehrlich. Armselig. Ich will das nicht.
  • Gedanken von Selbstmitleid. Schwer in Worte zu fassen, aber es rutschen im Laufe des Tages und besonders unter Stress viele Gedanken durch die Hirnbahnen. Am schädlichsten sind die, die einen in eine gewisse Opferrolle katapultieren. Diese Denkweise ist glaub ich ziemlich verbreitet von der Vorgängergeneration Mütter, also „unseren“ Müttern. Die haben ja schließlich „alles für uns aufgegeben“ und am Ende stehen sie mit nichts da. Ich bin da auch schon reingerutscht, zu denken, dass meine Freiheit und mein Leben und alles nur noch fremdbestimmt ist und ich so arm dran bin. Das ist peinlich, kindisch, hoffnungslos und therapiebedürftig. Ich will das nicht denken, weil es gar nicht meine Welt und Wirklichkeit ist, das ist armselig.

Wenn ich lange genug nachdenken würde, würde mir sicher noch mehr einfallen, aber das sind auf jeden Fall die Bulletpoints bei mir. Ich bin nicht verrückt. Ich weiß, dass ich es besser kann. Und eines meiner Lieblingsbücher beginnt genau so:

Ich wollte ja nichts, als das zu leben versuchen, was von

selber aus mir heraus wollte. Warum war das so schwer?“

Danke fürs Zuhören.

 

 

Der Unterschied zwischen „ärger dich nicht“ und Geradlinigkeit

Es ist ja normal, gerade innerhalb enger Freundschaften oder auch familiärer Bindungen, kommt es immer mal wieder zu Missverständnissen. Das ist total normal und menschlich und auf gewisse Art und Weise ist das sogar gut. Denn jeder dieser „Krisen“ birgt eine riesige Chance. Hat man das generell erst einmal verstanden sieht man im Leben plötzlich einen großen Spielplatz auf dem es darum geht seine Fähigkeiten und vor allen Dingen am Ende sein Wesen, seine Menschlichkeit und seine Persönlichkeit zu finden, zu entwickeln und zu vervollkommnen. Spielplatz deshalb weil es nur spielerisch klappt diese Ziele zu erreichen, niemals im Sinne einer Ernsthaftigkeit oder „Karriere“.

Bevor man das versteht werfen einen solcherlei Konflikte oftmals in ein Loch oder mindestens einen Schritt zurück, weil man irrigerweise glaubt, ein Leben mit Konflikten sei weniger harmonisch, weniger schön, weniger lebenswert. Das Gegenteil ist der Fall. Entscheidend ist dabei allerdings die Herangehensweise, die Gedanken mit denen ich zu diesem Konflikt stehe und die ich erlaube sich in mir weiter zu entwickeln und natürlich am Ende die Art und Weise wie ich mit der Sache umgehe.

Schon der große Marc Aurel – und Junge, der ist schon lange tot und über jeden Konflikt erhaben – sagte:

„Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht.“

Und recht hat er. Genau so sieht es aus. Es sind die eigenen Gedanken über uns selbst, über unsere Mitmenschen und das Miteinander mit ihnen, die alles entscheiden. Die Betonung liegt dabei auf EIGENEN.

Letztendlich, weshalb ich diese Zeilen schreibe, habe ich einen kürzlich aufgetretenen Konflikt genutzt und seine Chance erkannt. Es war eben jene, die eigene Position zu erklären und Klartext zu sprechen ohne in Bösartigkeiten abzuschweifen.

Wie so oft wurde dabei mein eigenenes „klar sein“ so interpretiert, als wäre ich noch im Ärger geblieben und voller Groll. Genau das Gegenteil ist der Fall. Durch meine Herangehensweise, durch das Direktive, durch das Lenken meiner Gedanken in die Konstruktivität, bleibt mir gar keine Zeit für Ärger. Über diese Entwicklungsstufe bin ich persönlich schon lange hinaus. Aber ich bin auf einer Stufe angelangt in der ich eben nicht an Beziehungen festhalte, die mir nicht gut tun, egal wie verwoben sie scheinen. Ich beziehe meinen Standpunkt, ich setze meine Prioritäten, damit ziehe ich immer mehr Menschen in mein Leben, die genauso sind und das ist ziemlich cool. Alle anderen, alle die das alte Spiel von Scharade und „so tun als ob, weil es sich so gehört“ spielen wollen, die können das gerne tun, aber eben ohne mich. Das hat nichts mit ärgern zu tun, nichts mit beleidigt sein, nichts mit all dem destruktiven Kram. Es ist nur ehrlich und gerade und ein perfekter Filter für gute und schlechte Energie in meinem Leben.

Damit bereichere ich mich, mein Leben und letztendlich alle die um mich herum bleiben oder neu dazu kommen. Denn die Farbe meiner Seele ist mir heilig, und auch das wusste der liebe Marc schon:

“Auf die Dauer der Zeit
nimmt die Seele
die Farbe deiner Gedanken an.“

Meine Seele bekommt immer mehr die Lieblinsgfarbe meines großen Jadekindes: BUNT!

Hier ist kein Platz für Schatten, Dunkel, oder Grau.

12368 Schritte und ein Jahr mehr

Ja, ich trage einen dieser modernen Schrittzähler, mit Uhr und Pulsmessfunktion und haste nicht gesehen. Und ich versuche jeden Tag die 10000 Schritte voll zu machen. Das gelingt mir ganz gut, erfordert aber an einem trainingsfreien Tag dann doch noch mal einen Extraspaziergang oder ähnliches. Und nun ist es so, dass das Jadekind 5 Jahre alt geworden ist  – das an sich ist ganz schön heftig.

Überdies stand auch noch eine Meerjungfrauenparty auf der Wunschliste – da gab es übrigens tolle Ideen von http://www.meineschoenstebastelzeit.de. Und schwupps die wupps hatten wir fünf kleine bezaubernde Meermädchen hier als Gäste und dann ging es los; Ketten basteln, Meerestiere auftauen, Seepferdchen zusammenklöppeln, Stoptanz, Topfschlagen, Kuchen, Pommes, Gummibärchen. Alles war dabei.

Ich habe mich an diesem Tag – ich schwöre es – nur auf den heimischen 140 Quadratmetern aufgehalten und als ich, kurz vor Partyende, auf meine schlaue Uhr schaute, waren da tatsächlich 12368 Schritte drauf verzeichnet.

Hammer, hatte ich gar nicht gemerkt, war wohl

so im Flossen – Flow.

Es ist übrigens ganz schön heftig, wenn das große Kind urplöztlich füng Jahre alt ist, ich muss mich erstmal dran gewöhnen. Und die sehen ja dann auch schlagartig groß aus, von jetzt auf gleich quasi.

Schön ist es trotzdem und dankbar bin ich dafür, fünf so tolle Jahre und jetzt einen kleinen Menschen zu sehen, der sich immer mehr rausputzt und immer mehr zu sich findet. Was für eine unglaublich spannende Reise.

 

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Tag 2 – Motzfrei

Also es ist schon spat, daher hier der Short Cut:

Anspruchsniveau des Tages bzgl Motzens:    hoch 

Innere Angespanntheit während stressiger Situationen:    4

Tonfall beim Lösen der Situationen:  4

Laune über den Tag verteilt: 3

Abwesenheit von „Motzen“: 3

Note insgesamt für Donnerstag, den 10. Mai 2017: 4

 

Das lief echt schlechter als gestern, das find ich ganz schön blöd….der Tag heute war aber auch echt anstrengender als der Gestrige. Das lag vor allen Dingen an meinem Beziehungskonflikt, der dem Tag zugrunde lag und einem mal schnell die Laune versauen kann. WOBEI ich sagen muss, dass ich das heute das erste Mal vernünftig hinbekommen habe; mich von der schlechten Laune des Mannes und seinem „ich häng mich in die Opferrolle, bleib da und bestrafe konsequenterweise alle mit meiner Anwesenheit“ nicht dauerhaft runterziehen zu lassen. Früher war ich schnell dabei dann ganz verwurstelt und ohne es selbst so richtig zu schnallen über die Kinder dem anderen mitzuteilen WIE schlecht er mich fühlen lässt. Das ist voll bescheuert, und ich würde sogar sagen, pathologisch. Bis ich da selbst hinter gestiegen war, das hat ordentlich gedauert, es dann zu ändern ist ein immer noch laufender Prozess.

Von daher eigentlich doch bahnbrechend gewesen heute, aber ich bleibe dabei. Mehr als „ausreichend“ wird es nicht.

Ich hatte allerdings ein echt cooles Schlüsselerlebnis, das ich unbedingt mit euch teilen muss:

In der Mittagspause, also der Minimann und das Bernsteinkind schlafen gerade, sitze ich mit Jademaus unter dem Carport, weil es so einen schönen Sommerregen gab und wir uns den angucken und vor allem riechen wollten, da sagt sie „Ich renn da jetzt durch!“ – gemeint war der Regen und die nasse Auffahrt und so. Und ich schnatterte voll automatisch zurück „Nein, das machst du auf keinen Fall, es ist viel zu nass und regnet stark!“……und kaum hatte ich es gesagt, dachte ich WAS EIN SCHEISS – und wenn schon, dann zieh ich sie um! Durch den Regen tanzen muss man unbedingt machen, es ist so schön und gar nicht verboten. Und prompt hab ich meine Aussage revidiert und das Verbot zum Gebot gemacht.

Das war ein super Gefühl, mich selbst ertappt und verbessert zu haben.

Daraus folgt sofort mein Tipp des Tages:

“ Überprüft mindestens einmal am Tag eine Aussage gegenüber eures Kindes und revidiert sie, wenn es Quatsch ist.“

Das macht extrem frei. Versprochen.

Tag 1 – Motzfrei

Es ist unglaublich, aber wahr:

Ich habe es geschafft, es gibt selbstverständlich noch ungefähr 324% Luft nach oben, aber erstmal feier ich den Tag fürs „Motzfrei – Sein“. Hier meine Bewertung, die gerne als Vorlage für eure Evaluation herhalten darf – gemessen wird in Schulnoten:

Anspruchsniveau des Tages bzgl Motzens:    mittel

Innere Angespanntheit während stressiger Situationen:    4-

Tonfall beim Lösen der Situationen:  3

Laune über den Tag verteilt: 3

Abwesenheit von „Motzen“: 2

Note insgesamt für Mittwoch, den 9. Mai 2017: 3

Das ist voll in Ordnung. Es gab ein kleines Mittagstief, da musste ich mich ordentlich zusammenreißen, um nicht abzustürzen und habe es nur durch einen extragroßen Cappuccino und diese Challenge hier geschafft. Ansonsten wäre ich mit großer Wahrscheinlichkeit verraten und verkauft gewesen. Trotzdem ist mir dabei ein „das ist mir aber gerade egal“ gegenüber dem Jadekind rausgerutscht. Das ging einhundert Prozent auf meine Kappe, damit hatte sie null zu tun und von daher gibt es auch nur eine 2 beim letzten Parameter.

Morgen geht es weiter und jetzt noch schnell den Tipp des Tages:

„Quatsch machen.“

Klingt banal, ist es auch. Und effektiv ist es auch. Wenn man in einer stressigen Situation mal ganz anders reagiert als alle denken und zum Beispiel mit lauten Knurrgeräuschen das Monster mimt, das ansonsten die nicht angezogenen Schuhe frisst, dann ist die Wahrscheinlichkeit das alle lachend aus der Nummer kommen recht groß.

Einfach mal testen und viel Erfolg:)