Der einzig wahre Erziehungsratgeber

„Man darf von diesem Buch keine simple Anleitung zur Kunst des Liebens erwarten; tut man es doch, wird man enttäuscht sein.“

„Wenn man von der Liebe spricht, ist das keine „Predigt“, denn es geht dabei um das tiefste, realste Bedürfnis eines jeden menschlichen Wesens.“

Das ist der erste und fast (dritt-)letzte Satz in Erich Fromms „Die Kunst des Liebens“. Erstmalig erschienen 1956 (USA) hat es an Aktualität in Nichts eingebüßt. Ich erinnere mich dieses Buch vor ungefähr 20 Jahren mit ungefähr 20 Jahren gelesen zu haben und es gibt nur zwei Möglichkeiten; entweder war es damals ein anderes Buch oder ich ein anderer Mensch. Ich lass das mal so stehen….

Als dreifache, stets bemühte und stets an sich selbst scheiternde Mutter, war dieses Buch, nach einer Vielzahl von Büchern, Artikeln, Vorträgen, Coachings und Podcasts zum Thema schlichtweg ein „Eye-Opener“.

Fromm versteht es so wohlig-warm auf der einen und so analytisch-hart auf der anderen Seite die Liebe an ihren Wurzeln zu packen, zu sezieren ohne sie anzugreifen und vor allem zu differenzieren von den zahlreichen Pseudolieben mit denen wir uns 1956…äh…heutzutage so fein einen in die Tasche lügen.

Besonders interessant und erhellend waren aus der Mutterperspektive die Kapitel „Liebe zwischen Eltern und Kind“, „Mütterliche Liebe“ und „Selbstliebe“.

Dabei sei nur mal vorweg gesagt, dass Fromm einen krassen Schnitt in puncto Mutterliebe ansetzt, die beginnt bei ihm nämlich nicht bei der liebevollen Versorgung eines zu 100% hilflosen Säuglings, sondern beim selbstlosen und schmerzhaften Loslassen des eigenen Kindes und dessen Beförderung zu immer mehr Selbstständigkeit und damit Unabhängigkeit.

Wahre Mutterliebe besteht darin, für das Wachstum des Kindes zu sorgen, und das bedeutet, daß sie selbst wünscht, daß das Kind von ihr loskommt.[…]Die Mutterliebe zum heranwachsenden Kind, jene Liebe, die nichts für sich will, ist vielleicht die schwierigste Form der Liebe; und sie ist sehr trügerisch, weil es für eine Mutter so leicht ist, ihr kleines Kind zu lieben. Aber gerade, weil es später so schwer ist, kann eine Frau nur dann eine wahrhaft liebende Mutter sein, wenn sie überhaupt zu lieben versteht […]. Eine Frau, die nicht fähig ist, in diesem Sinn zu lieben, kann zwar, solange ihr Kind noch klein ist, eine fürsorgende Mutter sein, aber sie ist keine wahrhaft liebende Mutter. (S.86 f)

Das darf man sich ruhig mal auf der Zunge und auf ein, zwei Gehirnzellen zergehen lassen. Und dann darf man seinen eigenen Erziehungsstil, seine Handlungen, Denkweisen und Pläne für die Zukunft nochmal kurz daraufhin überprüfen. Lohnt sich.

Selten habe ich so klar formuliert gelesen, welche Bedeutung und Kraft Selbstliebe hat wie im gleichnamigen Kapitel Fromms. Auch für Fromm ist sie die Voraussetzung zur Liebe generell („Liebe ist grundsätzlich unteilbar; man kann die Liebe zu anderen Liebes-„Objekten“ nicht von der Liebe zu, eigenen Selbst trennen“ (S.98)/ „Wenn ein Mensch fähig ist, produktiv zu lieben, dann liebt er auch sich selbst; wenn er nur andere lieben kann, dann kann er überhaupt nicht lieben.“ S.99) In aller Härte und Klarheit wendet er dieses Prinzip erneut auf die Mutter-Kind-Beziehung an. Mütter, die glauben aufopfern und alles geben, bis zum, im wahrsten Sinne des Wortes, „Geht nicht mehr!“, anschnallen, es wird ruppig:

[…] speziell in der Wirkung, die eine solche „selbstlose“ Mutter auf ihre Kinder hat. Sie meint, durch ihre Selbstlosigkeit würden ihre Kinder erfahren, was es heißt, geliebt zu werden, und sie würden ihrerseits daraus lernen, was lieben bedeutet. Die Wirkung ihrer Selbstlosigkeit entspricht jedoch keineswegs ihren Erwartungen. Die Kinder machen nicht den Eindruck von glücklichen Menschen, die davon überzeugt sind, geliebt zu werden. Sie sind ängstlich, nervös und haben ständig Angst, die Mutter könnte mit ihnen nicht zufrieden sein, und sie könnten ihre Erwartungen enttäuschen. Meist werden sie von der versteckten Lebensfeindschaft ihrer Mutter angesteckt, die sie mehr spüren als klar erkennen, und schließlich werden auch sie ganz davon durchdrungen. Alles in allem wirkt eine  derart selbstlose Mutter auf ihre Kinder kaum anders als eine selbstsüchtige, ja die Wirkung ist häufig nocht schlimmer, weil ihre Selbstlosigkeit die Kinder daran hindert, an ihr Kritik zu üben. Sie fühlen sich verpflichtet, sie nicht zu enttäuschen; so wird ihnen unter der Maske der Tugend eine Abscheu vor dem Leben beigebracht. Hat man dagegen Gelegenheit die Wirkung zu studieren, die eine Mutter mit einer echten Selbstliebe auf ihr Kind ausübt, dann wird man erkennen, daß es nichts gibt, was dem Kind besser die Erfahrung vermitteln könnte, was Liebe, Freude und Glück bedeuten, als von einer Mutter geliebt zu werden, die sich selbst liebt.“ (S. 102 f)

Ich verstehe nicht, warum das nicht dick gedruckt in jedem Kreißsaal, noch besser in jedem Kindergarten, in jeder Schule, in jeder Küche, in jedem Spielzimmer,… einfach überall auf dieser Welt dick an den Wänden steht. Es ist einfach so verdammt wahr.

Dieses Buch jedenfalls ist das perfekte Mitbringsel für alle werdenden Eltern, die ganze „Oje, ich wachse“/“Babyjahre“-Schwachsinnsliteratur braucht kein Schwein und schon gar kein Kind.

Die in diesem wundervollen Buch permanent mitschwingende Gesellschaftskritik, die anprangert, dass die Liebe materialisiert wird und als Tauschobjekt mit all dem anderen Schrunz auf dem Markt landet, ist phänomenal präzise und unter dem Aspekt, dass sie 1956 formuliert wurde, fast schon unheimlich.

Solange du vor dem Säbelzahntiger flüchtest, dichtest du kein Sonett – die Leiden der Mütter die was ändern wollen

Die Vorgeschichte

Es gibt eine Diskrepanz zwischen meinem aktuellen „Mutter sein“ und meinem Wunschbild von „Mutter sein“. Für die, die jetzt schon die Augen rollen, weil sie denken, da redet so ne esoterische verschwurbelte frustrierte Hausfrau von Energien, und Idealbildern und Bullerbü-Welten, dann klickt bitte auf das kleine Kreuz oben rechts und verpisst euch. Diese Reaktionen kenn ich nämlich schon, die langweilen mich und ich setze mich damit gar nicht mehr auseinander. Es geht mir um Persönlichkeitsentwicklung, nicht um das Setzen von unerreichbaren Zielen. Ich weiß, dass es möglich ist, dieser Mensch zu sein, den ich in meinem Kern schon so oft sehe. Ich weiß auch, dass ich mir damit viel Schmerz und Kampf und viel Mühe auflade und ja, verdammt nochmal, ich weiß auch, dass es viel leichter wäre, die Sachen einfach so zu akzeptieren wie sie sind, nichts zu hinterfragen und mit dem Motto „das hat uns ja auch nicht geschadet“ einfach das zu machen was man kennt, weil das so schön bequem ist. Aber ehrlich, da würde ich lieber sterben, als mich selbst so zu beschneiden. Als Mensch hat man so ziemlich als einzige Kreatur die Möglichkeit der Reflektion und damit die Möglichkeit sein Verhalten bewusst zu verändern. Verhalten nachhaltig zu verändern, geht nur über Gefühle ändern, denn die ändern dann deine Gedanken und deine Gedanken bestimmen dein Verhalten. Aber Gefühle  ändern ist mitunter ein schmerzhafter Prozess, weil man in sämtliche Gefühle erstmal einsteigen muss, weil man sie nicht festhalten darf und weil man bereits schon Gedanken manifestiert hat, die einem dabei immer wieder im Weg stehen.

Da ich ja auch im Powerlifting unterwegs bin benutze ich jetzt mal die Metapher einer Kniebeuge. Die kann man richtig oder falsch machen. Ich habe sie in den letzten zehn Jahren trainiert und dabei eine klitze Kleinigkeit falsch gemacht. Mein Hüfte war ein paar Grad zu sehr gekippt, die Bauchspannung ging dadurch verloren und Rückenschmerzen stellten sich ein. Ich konnte schon 70 kg beugen, aber nur mit meinem alten Muster. Was mein Kopf schon lange wusste (also wie ich theoretisch eine saubere Beuge mache), hab ich jetzt auf meinen Körper und mein (Körper)Gefühl übertragen (wie ich praktisch eine saubere Beuge mache). Aktuell beuge ich sauber 50 kg. Wenn ich mich aktuell dem „Stress“ von 70 kg aussetze, verfalle ich sofort zurück in mein altes Muster, es sitzt einfach zu tief.

Die Ausgangslage

Und genau so verhält es sich mit dem Stress zu Hause. In einem entspannten oder kontrollierbaren stressigen Rahmen, kriege ich meine neuen Verhaltensmuster gut umgesetzt, ich muss mich mitunter konzentrieren, ich beobachte mich stellenweise noch sehr genau, aber es klappt. Doch dann gibt es eben noch die nicht kontrollierbaren Situationen, Situationen in denen nichts so klappt wie gedacht und zig unvorhergesehene Dinge passieren. Hier ein kleiner Auszug, aus einer Situation, die vielleicht nur 2-5 Minuten dauert, dabei aber wahnsinnig laut und voll Geheule ist und in der es (zumindest für die Kinder) echt um was geht:

Die Mittlere kloppt dem Kleinen, weil der auch mal anfassen will, den gerade entdeckten Handfeger über den Kopf, während die Große den Locher und seine Atompapierschnippsel in der Toilette entleert, alle brüllen und wollen meine Hilfe, während ich versuche die Feuer zu löschen, verbrennt der Pfannkuchen auf dem Herd.

Neulich wurde ich gefragt, wie oft diese extrem stressigen Situationen, in denen sich hier alles überschlägt auftauchen und ob ich wohl da eher von 10 oder von 15 Situationen im Monat(!) spräche. Nachdem mein lautleises, trockenverschlucktes Lachen verklungen war, sagte ich: richtig, 10-15 Situationen, nur nicht im Monat, sondern am Tag.

Gehen wir mal von 10 aus, das lässt sich super rechnen, denn ich bin jeden Tag 10 Stunden mit den Kids alleine, macht also eine Eskalation pro Stunde. In der Realität kann sich das natürlich anders verteilen, aber fürs Erklären ist das super. Dann schaff ich es also 55 Minuten lang, ganz normal und entspannt zu sein und eben so wie ich bin und sein möchte. Dann kommt Eskalation 1 in Stunde 1. Die steck ich auch noch (je nachdem wie die Nacht war) gut weg. Aber bei Eskaltion 4 oder 5 oder 6 ist dann einfach der Stresspegel irgendwann so hoch, dass ich in mein altes Muster verfalle. Und nicht selten beginnt dann eine Abwärtsspirale aus der man mal leichter und mal schwerer wieder raus kommt. Ich überlasse es mal jeder Leserin und jedem Leser selbst, dieses Szenario auf 5 Tage die Woche im 3 Jahre Dauerschleifenmodus anzuwenden. Ich will hier nicht rumheulen, kein Mitleid und mich nicht beklagen, aber es ist eben wie es ist. Und Verhalten in Stresssituationen ist eben nicht nur Psychologie und guter Wille, sondern auch zu einem großen Teil Biochemie.

Warum Biochemie

Da gibt es diverse Stresshormone, wie Adrenalin und Noradrenalin und die machen den Kopf mal komplett nicht frei, sondern sorgen für nen ordentlichen Tunnelblick, in dem man seine ganz basalen Muster abspielt. Anders formuliert: Solange du vor dem Säbelzahntiger flüchtest, dichtest du kein Sonett. Es ist eben wie mit der schweren Beuge, wenn die 70 kg (noch) zuviel sind, dann kannst du nicht so „performen“ wie du eigentlich weißt, das es richtig ist. DU kannst das Gewicht bewegen, aber es ist nicht gesund. Die alten Muster sitzen zu tief und werden sofort abgerufen. Also muss man mit dem Gewicht runtergehen, die Technik verbessern und insgesamt stärker werden, damit man dann auch in stressigen Situationen angemessen reagieren kann.

Wenn ich Geschreie meiner eigenen Kinder höre, auch wenn ich weiß, dass sie nicht in Lebensgefahr sind. Die Rezeptoren und Synapsen in meinen Gehirn wissen das nicht. Ich bin überzeugt davon, dass eine Blutprobe vor und nach der oben beschriebenen Szene Bände sprechen würde, was mein Stresslevel angeht. Ich kann das nicht willentlich steuern und ich kann in der Zeit nicht die lockere, gelassene, liebevolle Mutter sein, die ich so oft schon bin, die in mir steckt und die ich sein möchte. Ich funktioniere dann nur. „Ist doch normal“ höre oft als Reaktion, „man muss auch mal motzen“. Ja, kann sein, ja vielleicht, aber ich werde nicht aufhören das ändern zu wollen, ich werde nicht aufgeben. Weil ich es für meine Kinder tue, für sie und für mich und dafür, dass sie selbst mit ihren eigenen Kindern, später als Eltern, bildlich gesprochen, jederzeit 150 kg beugen können. Ohne Verletzungsgefahr.

„She believed she could, so she did“

Wovon redet die eigentlich

Ok, ich werde mal konkret, wer bis hierhin gelesen hat, hat es verdient. Wie schon erwähnt, ich ernte oft verdutzte Blicke, weil wenn man mich kennt, weiß man, dass ich diesen Job hier mit drei sehr kleinen Kindern und dem entsprechendem Anspruchsniveau bereits sehr gut mache. Größtenteils. Bedienen wir uns nochmal unserer kleinen Statistik von oben und behaupten 7 von 10 Extremsitutionen am Tag meistere ich hervorragend (nicht weil es mir in die Wiege gelegt wurde, sondern weil ich die letzten Jahre viel Zeit mit Meditation, guten Büchern und guten Menschen verbracht habe). Macht 35 Top-Performances in der Woche. Cool. Sind dann noch drei verkackte Situationen, also 15 pro Woche. 15 zuviel. Was mach ich da eigentlich, was mich so runterzieht? Hier die Wahrheit, frei raus, auch wenn es weh tut das überhaupt zu formulieren:

  •  wenn ihr nicht gleich aufhört, dann“ – ja, ist Erziehungsalltagssprache wo man auch hinhört, aber mal ehrlich, wie scheiße ist das bitte, wie sehr kann man seine eigene Hilflosigkeit mit willkürlichem Machtmissbrauch überspielen?? Ich will das nicht, das ist armselig.
  • „ich würde ja mit dir auf den Spielplatz gehen, aber“ – schlägt in die gleiche Kerbe, kein Kind dieser Welt kann sich für die abertausend Aber-Sätze die es im Laufe seiner Kindheit hört irgendwas kaufen. Alles was man als Kind lernt ist, die Erwachsenen sagen Dinge, die sie eigentlich nicht wollen, verpackt in einen Satz, der so anfängt als hätten sie dich verstanden und dann kommt ein ABER. Niemand macht das was er sagt, alle machen nur das was sie wollen. Was ist das für ein beschissenes Mindset das man damit aufbaut? Ich will das nicht, das ist armselig.
  • laut werden – kein weiterer Kommentar, wenn es nicht gerade darum geht, dass das Kind gedankenverloren auf die Strasse rennt und vom Auto überrollt werden könnte, dann ist laut werden, brüllen und all das ABSOLUT ARMSELIG. Armseliger geht es gar nicht. Es ist Gewalt, es ist scheiße und es passiert mir trotzdem. An alle da draußen, die auch schon ihre Kinder angebrüllt haben oder das regelmäßig tun: Wenn ihr das toll findet andere Menschen anzubrüllen, dann macht das doch mit den unzähligen Menschen da draußen, die sich jeden Tag kacke benehmen und  echte Arschlöcher sind. Das wäre mutig und ihr bekommt meinen Applaus. Aber bitte nicht mit Schutzbefohlenen, die von euch auf jeder Ebene abhängig sind. Das ist so unfair und einfach nur armselig.
  • echtes Interesse, richtige Prioritätensetzung –  nein nein nein, ein ordentliches Haus, gespültes Geschirr, ein gemähter Rasen und gebügelte Wäsche ist NIE NIE NIE wichtiger, als die begeisterte Geschichte die eure Kinder euch gerade erzählen wollen. Ich erwische mich zu oft dabei, nicht richtig zuzuhören, weil ich irgendwas anderes erledigen „muss“ und dieses Erledigen selbst dann nur schwer abbrechen kann, wenn es stressig wird. Ganz ehrlich. Armselig. Ich will das nicht.
  • Gedanken von Selbstmitleid. Schwer in Worte zu fassen, aber es rutschen im Laufe des Tages und besonders unter Stress viele Gedanken durch die Hirnbahnen. Am schädlichsten sind die, die einen in eine gewisse Opferrolle katapultieren. Diese Denkweise ist glaub ich ziemlich verbreitet von der Vorgängergeneration Mütter, also „unseren“ Müttern. Die haben ja schließlich „alles für uns aufgegeben“ und am Ende stehen sie mit nichts da. Ich bin da auch schon reingerutscht, zu denken, dass meine Freiheit und mein Leben und alles nur noch fremdbestimmt ist und ich so arm dran bin. Das ist peinlich, kindisch, hoffnungslos und therapiebedürftig. Ich will das nicht denken, weil es gar nicht meine Welt und Wirklichkeit ist, das ist armselig.

Wenn ich lange genug nachdenken würde, würde mir sicher noch mehr einfallen, aber das sind auf jeden Fall die Bulletpoints bei mir. Ich bin nicht verrückt. Ich weiß, dass ich es besser kann. Und eines meiner Lieblingsbücher beginnt genau so:

Ich wollte ja nichts, als das zu leben versuchen, was von

selber aus mir heraus wollte. Warum war das so schwer?“

Danke fürs Zuhören.

 

 

Der Unterschied zwischen „ärger dich nicht“ und Geradlinigkeit

Es ist ja normal, gerade innerhalb enger Freundschaften oder auch familiärer Bindungen, kommt es immer mal wieder zu Missverständnissen. Das ist total normal und menschlich und auf gewisse Art und Weise ist das sogar gut. Denn jeder dieser „Krisen“ birgt eine riesige Chance. Hat man das generell erst einmal verstanden sieht man im Leben plötzlich einen großen Spielplatz auf dem es darum geht seine Fähigkeiten und vor allen Dingen am Ende sein Wesen, seine Menschlichkeit und seine Persönlichkeit zu finden, zu entwickeln und zu vervollkommnen. Spielplatz deshalb weil es nur spielerisch klappt diese Ziele zu erreichen, niemals im Sinne einer Ernsthaftigkeit oder „Karriere“.

Bevor man das versteht werfen einen solcherlei Konflikte oftmals in ein Loch oder mindestens einen Schritt zurück, weil man irrigerweise glaubt, ein Leben mit Konflikten sei weniger harmonisch, weniger schön, weniger lebenswert. Das Gegenteil ist der Fall. Entscheidend ist dabei allerdings die Herangehensweise, die Gedanken mit denen ich zu diesem Konflikt stehe und die ich erlaube sich in mir weiter zu entwickeln und natürlich am Ende die Art und Weise wie ich mit der Sache umgehe.

Schon der große Marc Aurel – und Junge, der ist schon lange tot und über jeden Konflikt erhaben – sagte:

„Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht.“

Und recht hat er. Genau so sieht es aus. Es sind die eigenen Gedanken über uns selbst, über unsere Mitmenschen und das Miteinander mit ihnen, die alles entscheiden. Die Betonung liegt dabei auf EIGENEN.

Letztendlich, weshalb ich diese Zeilen schreibe, habe ich einen kürzlich aufgetretenen Konflikt genutzt und seine Chance erkannt. Es war eben jene, die eigene Position zu erklären und Klartext zu sprechen ohne in Bösartigkeiten abzuschweifen.

Wie so oft wurde dabei mein eigenenes „klar sein“ so interpretiert, als wäre ich noch im Ärger geblieben und voller Groll. Genau das Gegenteil ist der Fall. Durch meine Herangehensweise, durch das Direktive, durch das Lenken meiner Gedanken in die Konstruktivität, bleibt mir gar keine Zeit für Ärger. Über diese Entwicklungsstufe bin ich persönlich schon lange hinaus. Aber ich bin auf einer Stufe angelangt in der ich eben nicht an Beziehungen festhalte, die mir nicht gut tun, egal wie verwoben sie scheinen. Ich beziehe meinen Standpunkt, ich setze meine Prioritäten, damit ziehe ich immer mehr Menschen in mein Leben, die genauso sind und das ist ziemlich cool. Alle anderen, alle die das alte Spiel von Scharade und „so tun als ob, weil es sich so gehört“ spielen wollen, die können das gerne tun, aber eben ohne mich. Das hat nichts mit ärgern zu tun, nichts mit beleidigt sein, nichts mit all dem destruktiven Kram. Es ist nur ehrlich und gerade und ein perfekter Filter für gute und schlechte Energie in meinem Leben.

Damit bereichere ich mich, mein Leben und letztendlich alle die um mich herum bleiben oder neu dazu kommen. Denn die Farbe meiner Seele ist mir heilig, und auch das wusste der liebe Marc schon:

“Auf die Dauer der Zeit
nimmt die Seele
die Farbe deiner Gedanken an.“

Meine Seele bekommt immer mehr die Lieblinsgfarbe meines großen Jadekindes: BUNT!

Hier ist kein Platz für Schatten, Dunkel, oder Grau.

Tag 2 – Motzfrei

Also es ist schon spat, daher hier der Short Cut:

Anspruchsniveau des Tages bzgl Motzens:    hoch 

Innere Angespanntheit während stressiger Situationen:    4

Tonfall beim Lösen der Situationen:  4

Laune über den Tag verteilt: 3

Abwesenheit von „Motzen“: 3

Note insgesamt für Donnerstag, den 10. Mai 2017: 4

 

Das lief echt schlechter als gestern, das find ich ganz schön blöd….der Tag heute war aber auch echt anstrengender als der Gestrige. Das lag vor allen Dingen an meinem Beziehungskonflikt, der dem Tag zugrunde lag und einem mal schnell die Laune versauen kann. WOBEI ich sagen muss, dass ich das heute das erste Mal vernünftig hinbekommen habe; mich von der schlechten Laune des Mannes und seinem „ich häng mich in die Opferrolle, bleib da und bestrafe konsequenterweise alle mit meiner Anwesenheit“ nicht dauerhaft runterziehen zu lassen. Früher war ich schnell dabei dann ganz verwurstelt und ohne es selbst so richtig zu schnallen über die Kinder dem anderen mitzuteilen WIE schlecht er mich fühlen lässt. Das ist voll bescheuert, und ich würde sogar sagen, pathologisch. Bis ich da selbst hinter gestiegen war, das hat ordentlich gedauert, es dann zu ändern ist ein immer noch laufender Prozess.

Von daher eigentlich doch bahnbrechend gewesen heute, aber ich bleibe dabei. Mehr als „ausreichend“ wird es nicht.

Ich hatte allerdings ein echt cooles Schlüsselerlebnis, das ich unbedingt mit euch teilen muss:

In der Mittagspause, also der Minimann und das Bernsteinkind schlafen gerade, sitze ich mit Jademaus unter dem Carport, weil es so einen schönen Sommerregen gab und wir uns den angucken und vor allem riechen wollten, da sagt sie „Ich renn da jetzt durch!“ – gemeint war der Regen und die nasse Auffahrt und so. Und ich schnatterte voll automatisch zurück „Nein, das machst du auf keinen Fall, es ist viel zu nass und regnet stark!“……und kaum hatte ich es gesagt, dachte ich WAS EIN SCHEISS – und wenn schon, dann zieh ich sie um! Durch den Regen tanzen muss man unbedingt machen, es ist so schön und gar nicht verboten. Und prompt hab ich meine Aussage revidiert und das Verbot zum Gebot gemacht.

Das war ein super Gefühl, mich selbst ertappt und verbessert zu haben.

Daraus folgt sofort mein Tipp des Tages:

“ Überprüft mindestens einmal am Tag eine Aussage gegenüber eures Kindes und revidiert sie, wenn es Quatsch ist.“

Das macht extrem frei. Versprochen.

Tag 1 – Motzfrei

Es ist unglaublich, aber wahr:

Ich habe es geschafft, es gibt selbstverständlich noch ungefähr 324% Luft nach oben, aber erstmal feier ich den Tag fürs „Motzfrei – Sein“. Hier meine Bewertung, die gerne als Vorlage für eure Evaluation herhalten darf – gemessen wird in Schulnoten:

Anspruchsniveau des Tages bzgl Motzens:    mittel

Innere Angespanntheit während stressiger Situationen:    4-

Tonfall beim Lösen der Situationen:  3

Laune über den Tag verteilt: 3

Abwesenheit von „Motzen“: 2

Note insgesamt für Mittwoch, den 9. Mai 2017: 3

Das ist voll in Ordnung. Es gab ein kleines Mittagstief, da musste ich mich ordentlich zusammenreißen, um nicht abzustürzen und habe es nur durch einen extragroßen Cappuccino und diese Challenge hier geschafft. Ansonsten wäre ich mit großer Wahrscheinlichkeit verraten und verkauft gewesen. Trotzdem ist mir dabei ein „das ist mir aber gerade egal“ gegenüber dem Jadekind rausgerutscht. Das ging einhundert Prozent auf meine Kappe, damit hatte sie null zu tun und von daher gibt es auch nur eine 2 beim letzten Parameter.

Morgen geht es weiter und jetzt noch schnell den Tipp des Tages:

„Quatsch machen.“

Klingt banal, ist es auch. Und effektiv ist es auch. Wenn man in einer stressigen Situation mal ganz anders reagiert als alle denken und zum Beispiel mit lauten Knurrgeräuschen das Monster mimt, das ansonsten die nicht angezogenen Schuhe frisst, dann ist die Wahrscheinlichkeit das alle lachend aus der Nummer kommen recht groß.

Einfach mal testen und viel Erfolg:)

 

 

Neuauflage der Motzfrei – Challenge

Ja, das hat ja super geklappt. Nicht. Ich wollte doch hier immer tagesaktuell den Stand der Dinge bezüglich der Motzfrei -Challenge ( siehe Aufruf zur Motzfrei Challenge ) niederschreiben. Jeden Tag, seit dem 10. Oktober, das würde/hätte/könnte/sollte gemacht haben in etwa 200 irgendwas Einträge. Ja, da kann man mal sehen, wie schnell die Zeit vergeht. Ich bin natürlich um Ausreden nicht verlegen, die da wären:

  • das Hegen und Pflegen von drei kleinen allerkleinsten KleinKindern
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  • das Hegen und Pflegen meiner eigenen Person
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  • das Hegen und Pflegen der Beziehung zu meinem Mann
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  • das Hegen und Pflegen von Freund-, Bekannt- und sogar Verwandtschaften
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  • Hund
  • Garten
  • Haus
  • dann war ich ein wunderschönes Wochenende mit einer guten Freundin in Wien
  • dann habe ich eine Ausbildung zur Meditationslehrerin für Erwachsene und Kinder gemacht
  • dann musste ich mich einer OP unterziehen
  • dann trainiere ich ja auch noch für meine anstehende Karriere als Kraftdreikämpferin im nächsten Frühjahr
  • außerdem steht ein Podcast in den Startlöchern
  • ein tolles Tanzseminar hab ich auch noch besucht
  • zwischendurch, nicht zu vergessen, war Weihnachten, Hanukkha und Ostern
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Ja, also, die Liste ist lang und daher auch der Papierstau auf dieser Seite. Das Thema ist aber brandaktuell, vor allem weil ich natürlich nicht 200irgendwas Tage motzfrei bin, sonder zwischendurch mal kräftig und mal weniger kräftig am Motzen war.

Deshalb, Amigas, beginnen wir von vorne, ab heute. Das ist der erste Tag der Motzfrei – Challenge, bitte folgt mir, begleitet mich und versucht selbst weniger zu motzen. Ich merke es immer und immer wieder an mir selbst, das Motzen bringt einen in eine große, fiese, tiefe Abwärtsspirale. Man selbst kommt schlecht drauf, davon kommen die Kinder schlechter drauf und damit ist dem „bis zum Sonnenuntergang motzen“ Tür und Tor geöffnet. Sperrangelweit.

Aber es geht so schnell, der Mund ist quasi schneller als man denken und sich wieder beruhigen kann und schon startet der Automatismus. Man motzt. Der Trick im weniger Motzen liegt deshalb vor allem erstmal darin a) schneller zu werden im Denken beziehungsweise den Mund langsamer werden zu lassen und b) alles was möglich ist zu tun, um selbst von vorneherein entspannt zu sein.  Denn wenn b) gelingt, dann ist a) auch nicht mehr weit und umgekehrt. Geniestreich.

Ich versuche nun folgendes zu machen, ich bemühe mich jeden Tag eine kleine Zusammenfassung mit einer Note, die ich mir selber gebe, zu schreiben. In diese Minievaluation kommt dann immer der Tipp des Tages.

Weil ich euch ja niemals nicht im Regen stehen lassen würde, kommt der erste Tipp des Tages schon hier und jetzt:

 

„Versucht direkt morgens eine winzige Kleinigkeit nur für euch zu machen. „

 

Ich weiß, das klingt so, als hätte ich gar keine Kinder und überhaupt sowieso keine Ahnung. Deshalb präzisiere ich das hier mal kurz. Mir ist schon klar, dass man nicht so entspannt aufsteht wie „früher“, manchmal wird man schon vom Brüllen geweckt und der Tag startet wie ein galoppierendes Rhinozerus, ABER irgendwann in der ersten halben Stunde eines Tages findet sich immer ein Moment des „nur ich“. Eine zeitlang hab ich mir zum Beispiel beim Hochschieben des Plissees ( und ey, das muss ich eh machen) gedacht „So, Aline, das ist dein Tag, erinnere dich daran, was du möchtest. MOTZFREI – GO FOR IT!“ oder so ähnlich. Und das hat erstaunlich gut funktioniert! Affirmation rockt.

Im Idealfall werdet ihr von alleine wach und nutzt die ersten Momente im Bett für eine kleine Minimeditation. Verbindet euch mit eurem Atem und lasst die Gedanken mal kurz Pause machen. Wer selbst noch nicht so gut meditieren kann, findet zahlreiche geführte Meditationen im Internet, ich selbst nutze gerne die App CALM. Die ist allerdings auf englisch, das funzt aber sehr gut, auch wenn man, so wie ich, kein besonders guter Englischsprecher ist. Die Meditationen dort dauern aber in der Regel 10 Minuten, was ich morgens nicht schaffen würde. Aber durch das Üben mit der App, werdet ihr eure Meditationspraxis verbessern und dann auch morgens mehr „Erfolg“ damit haben.

Andere Idee ist euch etwas was ihr ganz besonders lecker findet schon morgens zu gönnen. Und mit diesem Miniakt der Selbstliebe besser in den Tag zu starten. Ich hab mir für diesen Zweck beim Gewürzhändler meines Vertrauens (der steht hier immer auf dem Wochenmarkt) nen richtig tolles und teures (muss nicht, aber erhöht irgendwie des Gefühl des „das gönn ich mir“) Kaffeegewürz mischen lassen, damit pimpe ich dann morgens meinen Kaffee und schwupps, komm ich schon in eine ganz andere Stimmung.

Die Stimmung ist das entscheidende an der kompletten Sache, Kinder haben ein absolutes Gespür für eure Stimmung und richten ihre eigenen Stimmungsantennen nicht selten danach aus. Wenn ihr gut zu euch seid, könnt ihr auch gut zu anderen, respektive euren Kindern sein.

Ich wünsche gutes Gelingen und melde mich morgen gehorsamst zum Rapport.

 

Inner Peace

Ich hab gar nichts mehr zur Motzfrei-Challenge geschrieben….das lag bestimmt daran, dass ich so viel um die Ohren hatte. Es begab sich nämlich zu einer Zeit, als mein Mann und ich die Rollen tauschen und er der Hausmann wurde und ich die Geldverdienerin. Hey, nur für 3 Monate, aber immerhin, wir haben einen echten Rollentausch vollzogen. Meist findet die Elternzeit der Väter ja nur als Doppelbesetzung der Mütter statt.

Nun sind 3 Monate vorbei und man muss sagen, wir hatten schon viele gute Ideen, aber diese, die steht ganz weit oben in der Liste.

Es ist bei weitem nicht so, dass ich einen Mann mit Reptiliengehirn geheiratet hätte, also der tickt schon „modern“, der hält von der sogenannten „Hausfrauenehe“ soviel wie von Turnschuhen mit Tomatensoße, der hat mich schon als wild, verrückt, frei und unabhängig kennen und dann noch lieben gelernt und dann sogar noch geheiratet. UND dennoch, um über die Rolle eines anderen zu sprechen, muss man halt mal ein paar Schritte in seinen Schuhen laufen.
In den allermeisten Fällen übernehmen die moderne Männer schon die Aufgaben der Mütter, aber ehrlich gesagt haben die immer nen Backup (die Mütter) und die Kindern selten längere Zeit alleine. Vielleicht mal zwei Stunden, aber dann kommen die halt mit in den Baumarkt oder schippen draußen Sand. Dagegen ist ja auch absolut gar nichts einzuwenden, aber es sind einfach andere Tätigkeiten als die Kinder morgens umzuziehen, über ein eventuelles Frühstück zu diskutieren und es eventuell zu zelebrieren, die Kinder dann nochmal umzuziehen, dann alle drei in Winterklamotten zu verfrachten, ins Auto zu verfrachten, in den Kindergarten zu fahren, dort ein Kind abzugeben, mit den beiden anderen nach Hause, oder einkaufen oder oder oder und dann zu kochen und dann nochmal alle anziehen, das andere Kind wieder abzuholen, dann zu Essen, dann wieder umziehen, Windeln wechseln und gucken wer einen Mittagsschlaf macht um dann, nach der Mittagspause, festzustellen, dass es noch drei Stunden dauert, bis der Partner nach Hause kommt, sich dann trotz Schietwetters für einen Spaziergang zu entscheiden, davor natürlich noch mal Windeln wechseln um dann eine Stunde im Nieselregen rumzulaufen, nach der Hälfte der Strecke noch ein Kinderrad zu schleppen, weil das doch nicht mehr gebraucht wird, um dann zu Hause festzustellen, dass es immer noch 80 Minuten sind, bis man Unterstützung bekommt. Sich dann erstmal einen Kaffee zu machen, den man halbwarm zur Hälfte austrinkt und so weiter und so fort….und das 5 Tage die Woche, 4 Jahre lang.
Das klingt nach jammern, ist es nicht, es ist nur die Herausarbeitung der Unterschiede zwischen dem Part, der den beruflichen Block zu Hause bei den Kindern hat und dem Part, der den beruflichen Block woanders hat…und der wundert sich manchmal warum der Zuhause-Part so abgeschlagen ist und um 9 Uhr ins Bett möchte….oder wundert sich warum der Zuhause-Part gerne mal abends alleine ein Buch lesen möchte, nur so für sich….UND DAGEGEN, gegen dieses wundern, hilft einzig und allein, meiner Meinung nach, die Schuhe des anderen zu schnüren und sich auf den Weg zu machen. Und deshalb bin ich dieses Mal auch arbeiten gegangen und nicht als Backup zu Hause geblieben und DAS war eine sehr gute Idee.

Aus folgenden Gründen:
+ich weiß, dass ich noch arbeiten kann und dass ich meinen Beruf liebe
+ich habe ein hübsches Weihnachtszusatzgeld verdient
+ich weiß auch, dass ich die nächsten Jahre zu Hause bleiben möchte, die Doppelbelastung von Beruf UND Familie ist mir noch zu viel, ich habe mich zu oft zu meinen Kindern sagen hören „ich habe jetzt keine Zeit“ oder „wir müssen uns beeilen“…und diese Sätze möchte ich nicht sagen, ich möchte Zeit haben
+auch ich bin in die Schuhe meines Mannes gestiegen und weiß nun, dass auch im Job, auch wenn man dort selbstbestimmtes ist als zu Hause, Tage existieren, an denen man nicht sofort zu Hause „funktionieren“ kann

Und, jetzt kommt es, mein Mann hat erfahren,

+dass die Diskrepanz zwischen galoppierender Langeweile und gleichzeitiger hoher nervlicher Belastung kräftezehrender ist, als er es sich vorgestellt hat
+dass man im Haushalt nebenbei stressfrei GAR NICHTS hinbekommt
+dass man für sich selbst sorgen muss, damit man genug Liebe in sich hat um damit täglich drei kleine Kinder zu füttern
+das Selbstfürsorge nicht (nur)über partnerschaftliche Happenings läuft und es nicht schlimm ist, wenn jeder alleine was unternimmt

Was haben wir draus gemacht?

+wir haben wieder eine Putzfrau, die alles macht und es entspannt uns alle so herrlich, ich kann es gar nicht in Worte fassen
(Dazu sei gesagt, dass ich absolute Ordnung im Zusammenhang mit Kindern also wirklich ernsthaft beklemmend erlebe. Meiner Meinung nach steht das im krassen Widerspruch zu Kreativität, Freiheit, Gelassenheit und ja, sogar zur Freude an und miteinander, wenn immer alles sofort ordentlich sein muss, wegen der Nachbarn und der anderen Menschen und was die denken und so….

+wir haben einen Zeitplan, in dem genau steht wer an welchem Tag Kinderdienst (abends) hat und wer frei hat

+wir machen immer am ersten Samstag im Monat was richtig Nettes zusammen, ob zu Hause oder außerhalb ist egal, wir sind abwechselnd damit dran uns was für den anderen auszudenken und gegebenenfalls einen Babysitter zu besorgen

+wir haben nochmal mehr geschnallt, wie verdammt gut es uns geht und dass hat die Liebe zwischen uns allen einfach nochmal mehr zum Leuchten gebracht. Diese Projekt mit drei Kindern ist einfach unglaublich für uns und wir machen das gut und wir sind ein gutes Team und haben tolle Kinder und darauf sind wir stolz.

Und noch etwas stellt sich ein, ich habs erst gar nicht gemerkt, doch dann wurde es mir klar, Ruhe, innere Ruhe, weil man manche Sachen eben hundert mal besprechen kann, aber erst wenn man sie gefühlt hat, wird es ruhig.

 

Selbstverwirklichung – geht das nur wenn ich es auf Instagramm posten kann?

Ich habe so viel nachgedacht die letzten beiden Wochen. Mir qualmt schon der Schädel. Aber vielleicht, ganz vielleicht, hoffentlich, ziemlich sicher, ich bin überzeugt, dass hat sich gelohnt.

Folgende Problematik: Kind 1 besucht eine Kita die so ist wie früher bei Oma, oder wie bei dir und mir, keine Ahnung. Es gibt jedenfalls nur eine (ja! richtig gehört!) Gruppe, das ist auch noch eine Elementargruppe (also nichts mit minikleinen Kindern, die ihre Mama vermissen und es nicht sagen können) und da sind sage und schreibe 16 Kinder drin. Mehr nicht. In Worten sechzehn. Der Kindergarten hat auch nur von 8:30 Uhr bis 12:30 Uhr geöffnet. Mittagessen gibt es zu Hause, Frühstück wird mitgegeben (also von den Eltern, nicht von der Kita, das muss man ja dazu sagen). Es gibt drei Erzieherinnen, die sich abwechseln, es sind immer zwei Erzieherinnen da, immer. Es gibt keine Erzieherinnen aus wildfremden Gruppen, die im Krankheitsfall hin und her springen und die Kinder dieser Gruppe nicht kennen. Krankheitsfälle gab es im letzten Jahr keinen einzigen, alle Erzieherinnen waren das ganze Jahr gesund. Außerdem schließt der Kindergarten die kompletten Schulferienzeiten. Für diejenigen unter euch, die lange nicht in der Schule waren: 2 Wochen Osterferien, 6 Wochen Sommerferien, 2 Wochen Herbstferien und 2 Wochen Winterferien. Da werde ich schon immer sehr doof für angeguckt. „Warum machst du das denn?“ kommt da gerne, oder auch mal „Was machst du denn 6 Wochen am Stück mit deinem Kind??“….das ist kein Witz, liebe Leute, das werde ich gefragt.

Die Antwort darauf lautet: spielen, toben, sich gegenseitig erleben und ganz wichtig: NICHTS. Ich mache NICHTS, NULL, NADA. Klingt jetzt doof? Dann ersetzen wir das mal durch das altmodische Wort „Muße“. Wir verbringen Zeit mit Muße.

Nun ja, jetzt zur angesprochenen Problematik. 2019, wenn das kleinste Kind auch drei Jahre alt sein wird, hatte ich gedacht wieder arbeiten gehen zu wollen/müssen/dürfen/können. Das ist bei diesen Schließzeiten aber nahezu unmöglich, selbst wenn man Lehrerin ist, so wie ich. Beim Stundenplan meiner Schule würde ich nur die dritte Stunde stressfrei arbeiten können. Das ist Blödsinn, bei aller Liebe.

Nun gibt es also folgende Möglichkeiten:

  1. Die Kinder wechseln im Sommer 2018 allesamt in eine andere Kita mit Schließzeiten, die mir ermöglichen arbeiten zu gehen.
  2. Die Große bleibt bis 2019 in diesem Kiga, muss dann aber 2019 zwingend zur Schule und die Mittlere geht von Anfang an in einen Kiga mit längerern Schließzeiten, damit sie nicht wechseln muss. In diesen Kiga geht dann 2019 auch der kleine Zwerg.
  3. Ich frag mich mal, ob das mit dem Arbeiten wirklich so nötig ist. Ist das mein echter Wunsch? Will ICH das wirklich oder will es mein EGO, die Gesellschaft, die Politik oder irgendwer sonst?

 

Ich dachte ganz lange nicht an Möglichkeit Nummer 3. Die war gar nicht in meinem Kopf, da war kein richtiger Raum für. Kein Weg, den dieser Gedanke gehen konnte. Aber dann hat sich der Gedanke eine Machete genommen und sich den Weg freigeräumt und jetzt ist er da.

Aber wie kam es dazu? Wir, also der Mann und ich, haben uns auf die Suche nach einem neuen Kindergarten begeben. Einen der „besser“ passt. Und dabei festgestellt, dass es viele Kindergärten gibt die besser passen, aber keinen der besser ist.

  • Alle Kindergärten haben große Gruppen von 22 oder 23 oder 24 Kindern.
  • Alle Kindergärten haben mehr als eine Gruppe, meistens drei oder vier, manchmal fünf im „Haus“. Bedeutet insgesamt zwischen 60 bis 100 Kindern.
  • Alle Kindergärten haben nicht nur Elemtargruppen sondern auch Krippengruppen. Das bedeutet, wenn im Krippenbereich jemand krank wird, wird dort als erstes ausgeholfen, und das durch die Kollegen aus dem Elementarbereich. Dann sind dort plötzlich nicht mehr zwei Erzieher, sondern nur noch einer.
  • Die Erzieher die wir aus diesen Kindergärten kennengelernt haben, waren alle nett und kompetent, aber auch überarbeitet und überfordert. Wenn man ehrlich ins Gespräch kam und das zugelassen hat, war das schnell klar. Ich kann das verstehen.

 

Und da begann es mir, und meinem Mann auch, so langsam schlecht zu werden. Das konnten und können und wollen wir uns nicht für unsere Kinder vorstellen. Natürlich. Eines Tages kommt die Schule, und die ist auch größer und da sind viele Kinder und wenige Lehrer. Aber dann sind die Kinder auch größer und durften vor allem echt lange Kind sein. Ich, respektive wir, wünschen uns für unsere Kinder

  • Zeit
  • eine Umgebung von Menschen, die Spaß haben an dem was sie tun
  • eine überschaubare Kindermenge, die sie wirklich kennen lernen können und in der sie die Ruhe haben zu werden, wer sie sind. Ruhe sich zu entfalten.

 

Ja, und dann kam der Gedanke mit seiner Machete. Und ich habe ihn meiner Freundin per WhatsApp als Sprachnachricht geschickt. Es war ein wildes einfach-die-Gedanken-sprudeln-lassen. Am Ende sagte ich etwas wie, ich weiß nicht was ich gerade möchte, wo ich stehe, diese Zeit ist so wertvoll und wichtig für die Kinder und auch für mich. Aber alle schreien nach Selbstverwirklichung, Unabhängigkeit, Rentenversicherungen und und und. Und ihre Antwort war:

„Warum kann Familie und Kinder nicht Selbstverwirklichung sein?“

Buuum! Das saß. Sie sagte noch, du hast dich so verändert, du gehst diesen Weg mit deinen Kindern so krass, veränderst dich, adaptierst, bleibst dir doch immer treu. Das ist Wahnsinn, deine Kinder sind Wahnsinn, das ist doch Selbstverwirklichung.

Ja, und das stimmt. Es ist und bleibt Luxus Zeit zu haben. Es ist und bleibt das einzig wirklich begrenzte Element unseres Lebens. Nichts ist Unmöglich. So lautet der Zeitgeist. Doch sage ich, dein Leben zu verlängern, das ist unmöglich.

Und dann saß ich gestern, nach einem Spaziergang mit einer tollen Frau und Mutter mit vielen Gedanken zu diesem Thema, mit meinem Mann zusammen und ich hab ihm meine ganzen vielen Gedanken formuliert und dabei liefen mir schon die Tränen, weil es so ein emotionales Thema für mich ist. Er hörte mir nur zu und hatte große Augen und guckte ganz sanft. Und ich sagte:

„Ich glaube nicht, dass wenn ich – angenommen 2060 – sterbe, ich mich erinnere an die Zeit von 2019 bis 2023 und sagen werde: ‚Hätte ich da mal mehr gearbeitet, hätte ich da mal mehr verdient, hätte ich da mal in meine Rentenversicherung gezahlt.‘ Nein, ich glaube ich werde sagen, wenn sich mein Leben dem Ende neigt und ich die Chance habe es revue passieren zu lassen: ‚Diese Zeit von 2019 bis 2023, in denen ich nur für die Kinder da war und ihnen eine ECHTE Kindheit ermöglicht habe, in der wir Zeit miteinander, füreinander hatten, das waren die goldenen Jahre, das war meine, unsere Zeit.‘ Ich glaube ich werde es nie bereuen zu Hause geblieben zu sein und immer bereuen es nicht getan zu haben.“

Und er sagt. „Ja. Das ist schön.“

Tag 3 – immer noch dabei {Lesezeit 2 Minuten}

Alter Schwede ist das schwierig. ..nicht zu meckern…man merkt das ja auch oft erst hinterher, dass man gerade gemeckert hat. Wie ein Automatismus. Völlig daneben. Völlig bescheuert.

Ich hab mich die letzten 3 Tage tatsächlich etwas durchgehangelt. Manchmal kurz vorm Abgrund. Ich hab sogar mal ins Geschirrhandtuch gemotzt. Es musste irgendwie raus. Das hat tatsächlich geholfen.

Also ich habe heute 2 Tricks für euch die bei mir funktionieren :

1. Starte den Tag mit Dankbarkeit.  Das klingt verschwurbelt und schräg? Ist es nicht. Es ist eim grandioses Tool um die Welt mit anderen Augen zu sehen. Und es braucht nicht viel Zeit. Du kannst das machen direkt nach dem Aufstehen oder solange du auf dem Klos sitzt. Völlig egal.  Sage dir jeden Tag (möglichst früh) drei Dinge für die du dankbar bist. Und jetzt kommt’s : immer 3 andere Dinge!  Jahaa, sonst wird das nämlich schnell Gelaber und das wollen wir nicht.

Wenn du es richtig gut übertreiben willst, dann schreib sie auf. Das gibt noch mehr Speed!

2. Instruiere deine Kinder ( gehtso ab 4 Jahren) dich darauf hinzuweisen wenn du motzt. SAFETY WORD bei uns ist LILA MOTZKUH. Ich hab das mit dem Jadekind ehrlich besprochen, dass ich weniger meckern will, sie hat es verstanden und ist mein kleiner süßer Indikator gegen schlechte Laune.

Kein Witz, sobald sie die magischen 2 Worte  sagt, klingelt es richtig in meiner Birne. Ich bin hellwach und der Automatismus von dem ich am Anfang sprach wird unterbrochen.

Go for it, ihr Lieblingsmamas da draußen!

 

 

Aufruf zur Motzfrei Challenge {Lesezeit 2 Minuten}

Warum ist man eigentlich an einem Tag sehr gut drauf und an einem anderen nicht? Warum nerven mich an Tag A (dem scheiße-drauf-Tag) schon Kleinigkeiten absolut, wohingegen mich an Tag B (dem alles-ist-geil-Tag) nichts aus der Ruhe bringen kann? Klar, die Antwort darauf könnte heißen: zu wenig Schlaf, Kopfschmerzen, ich fühl mich krank, das Auto ist nicht angesprungen, blablabla…das ist aber falsch und gelogen noch dazu. Denn wenn ich Tag B erwische, dann ist es egal wie viel ich geschlafen habe oder ob der Kopf weh tut oder was das Auto macht – da lach‘ ich drüber.

Also hier die ehrliche Antwort- der GRUND, der ehrliche echte wahre Grund für die Tage der Variante A liegt NIE im außen, nie! Sondern immer in euch drin und ganz gemein; in euren Gedanken. Und noch gemeiner: ihr merkt manchmal gar nicht was ihr da denkt. Das denkt euch einfach…und dann seid ihr in ner scheiß Stimmung und weil alles immer nur noch schlimmer wird, denkt es auch immer nur noch schlimmer in euch. Das sind diese herrlichen Selbstgespräche a la „das ja jetzt auch wieder typisch, dass mir das passiert“ „ich kann nicht mehr“ „das scheiß Auto, ich hab meinem Mann gleich gesagt, der soll das verkaufen“ Blabla bla.

Und was wird aus euren Gedanken? Aus euren Gedanken werden eure Gefühle. Das ist kein Witz. Das ist Biochemie. Das könnt ihr im ganzen WWW nachlesen. Hört man trotzdem zu wenig.

Und was wird aus euren Gefühlen? Genau, eure Worte. Und dann eure Handlungen. Und wer bekommt so schlecht gelaunte Handlungen dann ab? Richtig, die kleinsten Blitzableiter der Welt. Kinder. Auch noch die eigenen. Schäm dich Aline, sag ich da zu mir selbst. Du bist echt das größte, dämlichste ArschlochMuttertier, das ich je selbst gewesen bin.

Ich meine das ernst, gestern war wieder so ein Tag. Alles war doof. Alles war ätzend. Natürlich hatte ich schlecht geschlafen, aber das war nicht der scheiß Grund. Der war in meinem Kopf, es waren meine Gedanken, dann meine Gefühle und dann meine Worte und dann meine Handlungen. Und natürlich ging gestern viel schief. Da wurde ein Töpfchen mit Pipi verschüttet, da wurde wegen Zahnweh kein Mittagsschlaf gemacht, da ging der geliebte Armreif zu Bruch und es gab ewige Tränen, da spulte die Mama zu weit die Heidikassette vor und schon wieder Tränen.

Und was hab ich gemacht, ich hab gemotzt und gemeckert und gemotzt. Dadurch dem negativen Gedankenkarussel in meinem Kopf ordentlich Anschwung gegeben. Ich schäme mich wirklich , dass hier laut zu schreiben sozusagen, aber es ist so. Ich hab so viel Ahnung von Kids, vom Leben, vom Sein und doch verkack ich es regelmäßig.

Also, was ist wohl gestern dabei rausgekommen? Richtig, ein richtiger scheiß Tag. Abends saß ich heulend auf dem Sofa und hab mir eine Sache geschworen:

DAS PASSIERT MIR NIE WIEDER. AB HEUTE IST SCHLUSS.

 

Sei verdammt nochmal die Mutter, von der du möchtest, dass sich deine Kinder an sie erinnern.

Deshalb diese Challenge. 66 Tage Motzfrei. Die Harvard University bzw die schlauen Köpfe darin haben bewiesen, es dauert 66 Tage um ein Verhalten zu ändern und zu einer Gewohnheit werden zu lassen. Und jetzt geht es los. Ich hab mir verschiedene Tools und Gamechanger wie Meditation, schreiben eines Journals, Sport etc überlegt um die Sache wirklich an der Wurzel zu packen.

Wir starten morgen Amigas, wer ist dabei?